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Moritz von und zu Blaustein

Neues vom Adligen (4)


Da ich in der letzten Zeit hier sehr wenig veröffentlicht habe, kommt mal wieder eine Geschichte vom „Roten“. Er machte sich eben viele Gedanken.

Das Dilemma

Immer wieder stelle ich fest, die Zweibeiner, ob weiblich oder männlich, sind eigenartige Wesen. Sie haben Dinge, Beziehungen oder Momente, die sie lieben, die ihnen etwas bedeuten und doch machen sie sie kaputt, zerstören den Zauber. Manchmal durch Taten, manchmal durch Worte oder eben dadurch, dass sie weder etwas tun, noch dass sie darüber sprechen. Manchmal unbewusst aus Mangel an Aufmerksamkeit, manchmal jedoch ganz bewusst, um sich nicht zu verlieren und manchmal um zu beenden. Mir scheint jedoch, unabhängig vom wie, was, wo oder warum, am Ende gibt es Verlierer. Nachdenklich und auch betroffen wünsche ich meinen zweibeinigen Freunden die Fähigkeit das Wort zur rechten Zeit zu nutzen, die Kraft Taten zu vollbringen, die Muse zuzuhören und immer den passenden Gegenpart.

Ihr Moritz von und zu Blaustein

Aus – Die andere Sicht des Alltäglichen –
2014

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zum Schmunzeln (12)


Das Sybillinische

Wenn ich manchmal über meine zweibeinige Dame nachdenke, fällt mir Frau Percht ein, die doppelgesichtige Göttin. Auf der einen Seite zeigt sich die dunkle, gefährliche Maske der Luz, auf der anderen Seite die Strahlende, die schöne Perchta. In der Hand hält sie den Stab mit Drudenfuß mit welchem sie die magischen Kreise zieht, in deren Mitte stehend sie von ihren Gesellen stampfend umtanzt wird. So ist auch meine Zweibeinige eine Doppelgesichtige, mal Hausdame oder mal Dame des Hauses. Als die Erstere hat ihr magischer Stab unterschiedliche Formen, Kochlöffel, Besen oder auch Staubsauger, und dient weder für zwei- noch für vierbeinige Gesellen zur Bestimmung eines Tanzareals, geschweige denn ist in dieser Zeit mit irgendeiner Form von Belustigung zu rechnen. Alle unterliegen dem Diktat des Tanzverbotes, werden ausgegrenzt und vehement vertrieben aus jenen Räumen durch die sie mit ihrem Drudenfuß hindurchfegt. Wehe demjenigen der dabei ihre magischen Kreise stört, er ist dem Untergang geweiht, der Luz ausgeliefert, und dies wird ihm deutlicher Form nahegebracht. Als Dame des Hause, die Perchta, verkörpert sie Stil, Lebensart, Geschmack, Takt und Würde. Sie ist die Instanz, die dem Geschätzten den Zutritt gewährt und ihn mit Wärme, Nähe, Aufmerksamkeit und Zuneigung umsorgt. Und nicht nur bei der wilden Jagd in den Rauhnächten, ob mit Klaubauf, Holzmandl und Habergoas oder ohne, ob als Luz oder als Perchta, sie hält das Böse fern, ihr Segen bringt das Glück und wendet alles Unheil ab.

Ihr Moritz von und zu Blaustein

Auszug:

Die andere Sicht des Alltäglichen
– Kalendergeschichten –

Joachim Dorn
neobooks, 26.04.2014 – 64 Seiten

Moritz von und zu Blaustein

Neues vom Adligen (3)


Passend zum Jahreswechsel machte sich unser verhinderter Adlige auch so seine Gedanken.

Der Rückblick

Das Jahresende ist immer auch ein Zeitpunkt, um zurückzublicken, innezuhalten, und die Ereignisse des vergangenen Jahres Revue passieren zu lassen. Bei der schreibenden Zunft gibt es die Tops und Flops, im TV die Bilder des Jahres. Als problematisch erscheint mir die Tatsache, dass diese Eindrücke einst von den gleichen Medien geschaffen worden sind. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um Politik, Showbusiness, Sport oder das allgemeine Leben dreht.
Die meisten meiner zweibeinigen Freunde, mit steigendem Alter immer intensiver, ziehen eine Bilanz, verbuchen Soll und Haben und weisen ihren subjektiven Gewinn oder Verlust aus. Auch ich habe meine persönliche Schlussrechnung erstellt und ermittelt, dass es ein Jahr wie immer war, eines mit Höhen und Tiefen eben. Manche und manches ist verschwunden, Neues hat sich aufgetan. Manchen Verlust betrachte ich mit Wehmut, frage mich, ob ich ihn nicht hätte verhindern können. Andere Verluste registriere ich einfach. Manch Neues finde ich spannend, über anderes ist das Urteil nicht so milde. Doch am Ende gilt immer: Das Jahr ist vorüber, zurückdrehen lässt sich keine Sekunde. Und so richte ich den Blick nach vorne und wünsche meinen Freunden, meinen Feinden, den Anderen und mir ein gutes Neues Jahr.

Ihr Moritz von und zu Blaustein

Aus:

Die andere Sicht des Alltäglichen
– Kalendergeschichten –

Joachim Dorn
neobooks, 26.04.2014

Moritz von und zu Blaustein

Neues vom Adligen (2)


Wer schon länger diesen Blog verfolgt, erinnert sich sicher an den abgebildeten Kater, der der irrigen Meinung ist, er wäre von adligem Geblüt. Ausgestattet mit einem gehörigem Maß an Arroganz erlaubt er sich, das Leben der Zweibeiner in vielen Formen zu kommentieren. Auch in der nachfolgenden Geschichte nimmt er mal wieder kein Blatt vor den Mund.

Der Wunschzettel

Die Kinder der Zweibeiner schreiben, wenn sie noch klein sind, einen Wunschzettel an das Christkind, damit dieses auch weiß, was sie gerne unter dem Weihnachtsbaum finden möchten. Viele wünschen sich dabei materielle Dinge, aber auch ein Brüderchen oder ein Schwesterchen. Ein schöne Sitte, manchmal aber auch von Enttäuschung geprägt, weil das Erwartete dann doch nicht mit Schleifchen und schönem Papier geschmückt vor glänzenden Kinderaugen liegt. So habe ich mir überlegt, auch einen Wunschzettel zu verfassen, wohl wissend, dass nicht alle meine Wünsche in Erfüllung gehen werden.

Ich wünsche mir Worte, wenn Sprachlosigkeit herrscht.
Ich wünsche mir Licht, wenn Dunkelheit regiert.
Ich wünsche mir Stille, wenn Lärm bestimmt.
Ich wünsche mir Mut, wenn Zaghaftigkeit leitet.
Ich wünsche mir Erkenntnis, wenn Zweifel kommandiert.
Ich wünsche mir Wärme, wenn Kälte lenkt.
Ich wünsche mir Toleranz, wenn Egoismus steuert.
Ich wünsche mir Größe, wenn Kleinmut dirigiert.
Ich wünsche mir Stil, wenn Geschmacklosigkeit gängelt.
Ich wünsche mir Fülle, wenn Leere verwaltet.

Und gleichgültig, ob meine Wünsche erfüllt werden und von wem auch immer, ich habe sie geäußert und so mir selbst den ersten Wunsch erfüllt.

Ich fand und nutzte Worte.

Ihr Moritz von und zu Blaustein

Aus:

Die andere Sicht des Alltäglichen
– Kalendergeschichten –

Joachim Dorn
neobooks, 26.04.2014

Moritz von und zu Blaustein

Neues vom Adligen


Nachdem der scheinbar adlige Kater hier schon einige seiner geistigen Ergüsse zum besten gegeben hat, war es an der Zeit ihn auch bildhaft zu präsentieren. Wie aus gut unterrichteten Kreisen bekannt wurde, plant der eine weitere Veröffentlichung seines Gesamtwerkes. Man darf gespannt sein. Als kleinen Appetithappen und einen zeitnahen Bedürfnis soll nachfolgende Geschichte dienen.

Die Lehrstunde

Eines Tages fragte mich mein junger Katerkollege, was es denn mit dem Begriff Eifersucht auf sich habe? Er könne diese Wortschöpfung der Zweibeiner gar nicht einschätzen. Nun als Freund des Wortes erlaubte ich mir, eine wahrlich blumige Erklärung zu versuchen.
An einem Waldrand lebten schon viele Jahre eine rote Rose, ein Vergissmeinnicht und ein Löwenzahn in trauter Freundschaft nebeneinander. Die Rose wendete sich mal dem Vergissmeinnicht und mal dem Löwenzahn zu. Alle waren zufrieden. Eines Tages jedoch begann der Löwenzahn Forderungen zu stellen, er wollte nicht mehr, dass die Rose Gemeinsamkeiten mit dem Vergissmeinnicht pflegte. Er wollte die Rose für sich alleine haben, er wollte sie besitzen. Er hatte Angst, dass die Rose das Vergissmeinnicht für interessanter hielt. Und da er Angesichts des anziehenden Anblicks der Beiden, mit wenig Selbstbewusstsein ausgestattet war, hatte er auch kein Vertrauen in die Gegenüber. Die Rose war sich keiner Schuld bewusst, sie hatte nie den Einem dem Anderen vorgezogen. Sie konnte die Forderungen nicht verstehen, sie hatten doch so eine harmonische Beziehung miteinander gehabt. Sie wollte keinen der Beiden missen. Als der Löwenzahn merkte, dass sein Ultimatum nicht erfüllt wurde, geriet er in sehr große Wut. Er ließ seine weißen Flugschirme in Richtung der Beiden ausschwärmen, soviel wie er nur konnte. Im nächsten Frühjahr waren diese von unzähligen Löwenzahnnachkommen umzingelt. Sie bekamen keine Nahrung mehr und verwelkten. Nun war der Löwenzahn allein in einem gelben Meer, der Farbe der Missgunst.
Und wenn du, mein junger Katerkollege, mit offen Augen durch die Welt gehst, wirst Du unzählige monotone, gelbe Felder entdecken.
Mein junger Katerkollege bemerkte noch, die Zweibeiner haben schon komische Worte für ein eigenartiges Verhalten.

Ihr Moritz von und zu Blaustein

März 2017

Löwenzahnwiese

Löwenzahnwiese

zum Schmunzeln (8)


Das Grenzenlose

Jetzt im Winter, wenn es kalt ist, die Natur ruht, wenn sie ihre Wunden, geschlagen von menschlicher Hand, mit Schnee verbirgt, herrscht Stille. Kein Gezwitscher, kein Summen, kein menschlicher Lärm stört die seltenen Rufe der verbliebenen Vögel. Alles scheint innezuhalten. Nur hin und wieder enthüllt der Wind sein wildes Gesicht. Er ist der alleinige Herrscher im Schilf, im See, im Wald und im Feld. Er peitscht die Halme, drischt das Wasser, biegt die Wipfel und springt in Wellen den Hang hinab. Er tobt sich aus, zeigt sein virtuoses Spiel. Das fahle Licht der Sonne beleuchtet die schüttere und doch erhabene Schönheit dieser Augenblicke. Und der kleine Betrachter, sich dem Wind entgegenstemmend, staunt ob der Volten, der Sprünge, der Freiheit zu welchen seine Gedanken in diesen Momenten fähig sind. Die Arme ausbreiten und frei wie ein Vogel fliegen, das wäre wunderbar.

Ihr Moritz von und zu Blaustein

Aus:

Die andere Sicht des Alltäglichen
– Kalendergeschichten –

Joachim Dorn
neobooks, 26.04.2014

zum Schmunzeln (7)


Die Ode

Obwohl ich, wie an anderer Stelle bereits erwähnt, durch meine zweibeinige Dame der Fähigkeit zur Zeugung beraubt wurde, bleibe ich ein großer Verehrer des Weiblichen. Ihr Duft, ihre Statur, ihr Gang, ihre Laute, ihr unausgesprochenes Versprechen für seligmachende Momente lassen mich immer aufs Neue erschaudern. So folge ich wieder und wieder diesem Lockruf, erliege dem Zauber und selbst ein Sprung vom Balkon des ersten Stockes stellt dabei kein Hindernis dar. Ich erliege dem Ruf der Natur, ergebe mich meiner Bestimmung und überschreite sehenden Auges ständig meinen Rubikon. Kehre ich dann nach Hause zurück, hungrig zwar, aber mit einem Füllhorn von wunderbaren Erfahrungen bereichert, genieße ich in meinen Wachträumen das Erlebte erneut. Und obwohl ich nicht jede Form des Möglichen dabei genießen kann, gilt auch für mich der weltberühmte Satz von Edith Piaf „ Non, je regrette rien“.

Ihr Moritz von und zu Blaustein

Aus:

Die andere Sicht des Alltäglichen
– Kalendergeschichten –

Joachim Dorn
neobooks, 26.04.2014