Archiv für den Monat Dezember 2017

Moritz von und zu Blaustein

Neues vom Adligen (3)


Passend zum Jahreswechsel machte sich unser verhinderter Adlige auch so seine Gedanken.

Der Rückblick

Das Jahresende ist immer auch ein Zeitpunkt, um zurückzublicken, innezuhalten, und die Ereignisse des vergangenen Jahres Revue passieren zu lassen. Bei der schreibenden Zunft gibt es die Tops und Flops, im TV die Bilder des Jahres. Als problematisch erscheint mir die Tatsache, dass diese Eindrücke einst von den gleichen Medien geschaffen worden sind. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um Politik, Showbusiness, Sport oder das allgemeine Leben dreht.
Die meisten meiner zweibeinigen Freunde, mit steigendem Alter immer intensiver, ziehen eine Bilanz, verbuchen Soll und Haben und weisen ihren subjektiven Gewinn oder Verlust aus. Auch ich habe meine persönliche Schlussrechnung erstellt und ermittelt, dass es ein Jahr wie immer war, eines mit Höhen und Tiefen eben. Manche und manches ist verschwunden, Neues hat sich aufgetan. Manchen Verlust betrachte ich mit Wehmut, frage mich, ob ich ihn nicht hätte verhindern können. Andere Verluste registriere ich einfach. Manch Neues finde ich spannend, über anderes ist das Urteil nicht so milde. Doch am Ende gilt immer: Das Jahr ist vorüber, zurückdrehen lässt sich keine Sekunde. Und so richte ich den Blick nach vorne und wünsche meinen Freunden, meinen Feinden, den Anderen und mir ein gutes Neues Jahr.

Ihr Moritz von und zu Blaustein

Aus:

Die andere Sicht des Alltäglichen
– Kalendergeschichten –

Joachim Dorn
neobooks, 26.04.2014

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zum Schmunzeln (10)


Passend zum Jahresende meldet sich der schwäbische Kater wieder zu Wort. Wie so oft ist das Verhalten der Zweibeiner das Ziel seines Spotts.

Der Vorsatz

Wenn ich mich so auf meinem warmen Plätzchen räkle und über Sinn und Unsinn meine Gedanke schweifen lasse, fällt mir der anstehende Jahreswechsel ein. Mit Grauen denke ich nicht nur an das allgegenwärtige Knallen, sondern auch an die guten Vorsätze meiner zweibeinigen Freunde. Es erstaunt mich immer wieder, zu welcher Vielfalt an Selbstkasteiung der menschliche Geist fähig ist. Auffallend dabei ist, dass die meisten Vorsätze mit einem Genussverlust einhergehen. So gehe ich keinesfalls mit der Vorstellung an eine Gewichtsabnahme in das neue Jahr. Denn wie sollten mir auch all diese Leckereien in der Weihnachtszeit schmecken, wenn ich beim Verzehr schon mit dem Gedanken spiele, ab Neujahr wieder abzuspecken. Dann lass ich es doch lieber gleich sein.

Ihr Moritz von und zu Blaustein

Aus:

Die andere Sicht des Alltäglichen
– Kalendergeschichten –

Joachim Dorn
neobooks, 26.04.2014

Moritz von und zu Blaustein

Neues vom Adligen (2)


Wer schon länger diesen Blog verfolgt, erinnert sich sicher an den abgebildeten Kater, der der irrigen Meinung ist, er wäre von adligem Geblüt. Ausgestattet mit einem gehörigem Maß an Arroganz erlaubt er sich, das Leben der Zweibeiner in vielen Formen zu kommentieren. Auch in der nachfolgenden Geschichte nimmt er mal wieder kein Blatt vor den Mund.

Der Wunschzettel

Die Kinder der Zweibeiner schreiben, wenn sie noch klein sind, einen Wunschzettel an das Christkind, damit dieses auch weiß, was sie gerne unter dem Weihnachtsbaum finden möchten. Viele wünschen sich dabei materielle Dinge, aber auch ein Brüderchen oder ein Schwesterchen. Ein schöne Sitte, manchmal aber auch von Enttäuschung geprägt, weil das Erwartete dann doch nicht mit Schleifchen und schönem Papier geschmückt vor glänzenden Kinderaugen liegt. So habe ich mir überlegt, auch einen Wunschzettel zu verfassen, wohl wissend, dass nicht alle meine Wünsche in Erfüllung gehen werden.

Ich wünsche mir Worte, wenn Sprachlosigkeit herrscht.
Ich wünsche mir Licht, wenn Dunkelheit regiert.
Ich wünsche mir Stille, wenn Lärm bestimmt.
Ich wünsche mir Mut, wenn Zaghaftigkeit leitet.
Ich wünsche mir Erkenntnis, wenn Zweifel kommandiert.
Ich wünsche mir Wärme, wenn Kälte lenkt.
Ich wünsche mir Toleranz, wenn Egoismus steuert.
Ich wünsche mir Größe, wenn Kleinmut dirigiert.
Ich wünsche mir Stil, wenn Geschmacklosigkeit gängelt.
Ich wünsche mir Fülle, wenn Leere verwaltet.

Und gleichgültig, ob meine Wünsche erfüllt werden und von wem auch immer, ich habe sie geäußert und so mir selbst den ersten Wunsch erfüllt.

Ich fand und nutzte Worte.

Ihr Moritz von und zu Blaustein

Aus:

Die andere Sicht des Alltäglichen
– Kalendergeschichten –

Joachim Dorn
neobooks, 26.04.2014