Moritz von und zu Blaustein

Neues vom Adligen


Nachdem der scheinbar adlige Kater hier schon einige seiner geistigen Ergüsse zum besten gegeben hat, war es an der Zeit ihn auch bildhaft zu präsentieren. Wie aus gut unterrichteten Kreisen bekannt wurde, plant der eine weitere Veröffentlichung seines Gesamtwerkes. Man darf gespannt sein. Als kleinen Appetithappen und einen zeitnahen Bedürfnis soll nachfolgende Geschichte dienen.

Die Lehrstunde

Eines Tages fragte mich mein junger Katerkollege, was es denn mit dem Begriff Eifersucht auf sich habe? Er könne diese Wortschöpfung der Zweibeiner gar nicht einschätzen. Nun als Freund des Wortes erlaubte ich mir, eine wahrlich blumige Erklärung zu versuchen.
An einem Waldrand lebten schon viele Jahre eine rote Rose, ein Vergissmeinnicht und ein Löwenzahn in trauter Freundschaft nebeneinander. Die Rose wendete sich mal dem Vergissmeinnicht und mal dem Löwenzahn zu. Alle waren zufrieden. Eines Tages jedoch begann der Löwenzahn Forderungen zu stellen, er wollte nicht mehr, dass die Rose Gemeinsamkeiten mit dem Vergissmeinnicht pflegte. Er wollte die Rose für sich alleine haben, er wollte sie besitzen. Er hatte Angst, dass die Rose das Vergissmeinnicht für interessanter hielt. Und da er Angesichts des anziehenden Anblicks der Beiden, mit wenig Selbstbewusstsein ausgestattet war, hatte er auch kein Vertrauen in die Gegenüber. Die Rose war sich keiner Schuld bewusst, sie hatte nie den Einem dem Anderen vorgezogen. Sie konnte die Forderungen nicht verstehen, sie hatten doch so eine harmonische Beziehung miteinander gehabt. Sie wollte keinen der Beiden missen. Als der Löwenzahn merkte, dass sein Ultimatum nicht erfüllt wurde, geriet er in sehr große Wut. Er ließ seine weißen Flugschirme in Richtung der Beiden ausschwärmen, soviel wie er nur konnte. Im nächsten Frühjahr waren diese von unzähligen Löwenzahnnachkommen umzingelt. Sie bekamen keine Nahrung mehr und verwelkten. Nun war der Löwenzahn allein in einem gelben Meer, der Farbe der Missgunst.
Und wenn du, mein junger Katerkollege, mit offen Augen durch die Welt gehst, wirst Du unzählige monotone, gelbe Felder entdecken.
Mein junger Katerkollege bemerkte noch, die Zweibeiner haben schon komische Worte für ein eigenartiges Verhalten.

Ihr Moritz von und zu Blaustein

März 2017

Löwenzahnwiese

Löwenzahnwiese

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3 Gedanken zu „Neues vom Adligen

  1. Mallybeau Mauswohn

    Lieber Herr Dorn!

    Welch eine wunderbare Katergeschichte. Und jetzt wo ich den werten adligen Schnurrer sehe, frage ich mich, ob er sich gerade auf Streifzug über unsere Nachbarfelder befindet. Dort bin ich kürzlich einem Kater begegnet, der diesem hier zum verwechseln ähnlich sieht. Aber am besten lasse ich mich von seinem Gesamtwerk überraschen. Ich bin gespannt.

    Herzliche Grüße von der Alm
    Mallybeau

    Antwort
    1. Joachim Dorn Autor

      Liebe Frau Mauswohn, üblicherweise pflegt er in der Nähe von Ulm zu wohnen. Da ist im ein Ausflug auf die Alb zu zutrauen, wie vieles andere auch.

      Grüsse vom See

      Antwort

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