zum Schmunzeln (9)


Die Ähnlichkeit

Für manche Zweibeiner stellt sich bei der Speisengestaltung oft die Frage, welche Zutaten verwendet werden dürfen. Ob wohlschmeckende Butter in Betracht kommt, ein Hauch von Sahne dem Mahl die besondere Note verleiht, oder ob nur pflanzliche Fette und Rohkost auf dem Speiseplan stehen. Manchmal hat dies medizinische Gründe, manchmal ist es der wiederkehrende, verzweifelte Versuch, dem Hüftgold zu Leibe zu rücken. Diese allen ins Auge stechenden Wülste haben oft den banalen Hintergrund des hemmungslosen Konsums von Kalorien, die vom Konsumenten gar nicht verbraucht werden können. Auch ich habe, wenn ich der Dame im weißen Kittel Glauben schenken darf, die Verpflichtung auf mein Gewicht zu achten. Dies ist wahrlich einfacher gesagt, denn getan. Denn auch meine Vernunft und mein Widerstand sinken in dem Maße, in dem die Reize meine Nase und Augen kitzeln. Dann werfe ich wie die Zweibeiner alle meine guten Vorsätze über Bord und gebe mich der sinnlichen Völlerei hin. Der einzige Unterschied dabei ist, ich muss mein Schnitzel mit Sauce des nächtens erbeuten und bekomme es nicht auf einem Teller serviert. Das ich dann gewisse Spuren in meinem Domizil hinterlasse, ist logisch und das Gemecker darüber von Seiten der Zweibeiner unangebracht. Denn auch für mich gilt: Der Geist ist willig, aber das Fleisch macht mich schwach.

Ihr Moritz von und zu Blaustein

Aus:

Die andere Sicht des Alltäglichen
– Kalendergeschichten –

Joachim Dorn
neobooks, 26.04.2014

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