zum Schmunzeln (6)


Das Sybillinische

Wenn ich manchmal über meine zweibeinige Dame nachdenke, fällt mir Frau Percht ein, die doppelgesichtige Göttin. Auf der einen Seite zeigt sich die dunkle, gefährliche Maske der Luz, auf der anderen Seite die Strahlende, die schöne Perchta. In der Hand hält sie den Stab mit Drudenfuß mit welchem sie die magischen Kreise zieht, in deren Mitte stehend sie von ihren Gesellen stampfend umtanzt wird. So ist auch meine Zweibeinige eine Doppelgesichtige, mal Hausdame, mal Dame des Hauses. Als die Erstere hat ihr magischer Stab unterschiedliche Formen. Kochlöffel, Besen oder auch Staubsauger und bei der Nutzung ist dann mit keinerlei Form von Belustigung zu rechnen. Alle unterliegen dem Diktat des Tanzverbotes, werden ausgegrenzt und vehement vertrieben aus jenen Räumen durch die sie mit ihrem Drudenfuß hindurchfegt. Wehe demjenigen der dabei ihre magischen Kreise stört. Er ist dem Untergang geweiht, der Luz ausgeliefert, und dies wird ihm in deutlicher Form nahe gebracht. Als Dame des Hause, Perchta, verkörpert sie Stil, Lebensart, Geschmack, Takt und Würde. Sie ist die Instanz, die dem Geschätzten den Zutritt gewährt und ihn mit Wärme, Nähe, Aufmerksamkeit und Zuneigung umsorgt. Und nicht nur bei der wilden Jagd in den Rauhnächten, ob mit Klaubauf, Holzmandl, Habergoas oder ohne, ob als Luz oder als Perchta, sie hält das Böse fern, ihr Segen bringt das Glück und wendet alles Unheil ab.

Ihr Moritz von und zu Blaustein

Aus:

Die andere Sicht des Alltäglichen
– Kalendergeschichten –

Joachim Dorn
neobooks, 26.04.2014

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