Archiv für den Monat Februar 2017

Rund um die Ruine Alt-Bodman

Winter am See – kleine Ausflüge (12)


Wenn die Sonne im Frühjahr höher steigt, mehr Kraft hat, wenn die Vögel tririlieren, die Haubentaucher ihren Hochzeitstanz auf dem See vollführen, wenn in den Gärten an geschützten Stellen die ersten Frühlingsblumen grüssen, dann zieht es auch Herren im gesetzten Alter an die frische Luft. Auch ich dachte, dass ich nun mal eine etwas anspruchsvollere Tour wagen sollte. Auf Infotafeln wird sie als mittelschwer bezeichnet.

Man startet also im Ort Bodman, je nachdem wo man einen Parkplatz findet, (hier ein kleiner Tipp: an schönen Tagen vor 13.00 Uhr im Ort sein, dann ist die Chance groß) und macht sich in den Anstieg zur Ruine Alt-Bodman.

Aufstieg zur Ruine Alt-Bodman

Aufstieg zur Ruine Alt-Bodman

Ein kleiner Pfad in Serpentinen führt vorbei an teilweise riesigen Buchen steil nach oben. Die Ausblicke auf den See entschädigen dabei für jegliche Mühe.

Blick auf Ludwigshafen

Blick auf Ludwigshafen

Nachdem man auf ca. 2,5 km rund 250 Höhenmeter überwunden hat, die Plattform erklommen, ist man auf einem der schönsten Aussichtspunkte am Bodensee.

Blick Richtung Sipplingen

Blick Richtung Sipplingen

Die Ruine Altbodman war die zweite Burg der Herren von Bodman. Sie wurde gegen Ende des 30-jährigen Krieges zerstört und nicht wieder aufgebaut. In den Jahren 2002 bis 2007 wurden die alten Mauern durch den Grafen von Bodman und die Denkmalpflege des Landes Baden-Württemberg aufwendig saniert.

Ruine Altbodman

Ruine Altbodman

Auf einem breiten Weg leicht bergan kommt man zur Vesperstube Bodenwald. Die Besonderheit sind hier die Bisonwochen von Ende Oktober bis zur ersten Woche im November. Das Haus würde, nebenbei erwähnt, einen Eimer Farbe vertragen.

Vesperstube Bodenwald - Bison

Vesperstube Bodenwald – Bison

Danach geht man ein paar hundert Meter zurück, biegt rechts ab, und macht sich über das Kloster Frauenberg auf den Abstieg.

Kloster Frauenberg

Kloster Frauenberg

Am Klosterstandort stand die erste Burg derer von Bodman. Bei der Zerstörung durch einen Brand im Jahre 1307 überlebte nur der Stammhalter. Eine Amme hatte ihn in einem Kupferkessel über die Mauer hinunter gelassen. Die Familie stiftete den Berg dem Kloster Salem, das die Klosterkirche errichtet. Heute ist sie wieder im Besitz der Grafen von und zu Bodman. Gegen ein geringes Entgelt wird das Haus heute durch die Glaubensgemeinschaft „Agnus Dei“ betreut und bewohnt.

Auf dem Pilgerweg (Kreuzweg) geht es dann in Serpentinen wieder nach Bodman zurück. Auch hier hat man tolle Aussichten.

beim Abstieg

beim Abstieg

Ein Anmerkung noch zur Karte, sie stimmt nicht ganz, denn scheinbar kennt Google nicht jeden Waldweg. Die Gesamtstrecke lag bei rund 5 km mit rund 300 Höhenmetern, sowohl hoch als auch runter. Ich habe dabei festgestellt, dass „Berg runter“ genauso anstrengend ist wie der Aufstieg.

Informationen:

Die Ruine Altbodman

Vesperstube Bodenwald

Kloster Frauenberg

zum Schmunzeln (9)


Die Ähnlichkeit

Für manche Zweibeiner stellt sich bei der Speisengestaltung oft die Frage, welche Zutaten verwendet werden dürfen. Ob wohlschmeckende Butter in Betracht kommt, ein Hauch von Sahne dem Mahl die besondere Note verleiht, oder ob nur pflanzliche Fette und Rohkost auf dem Speiseplan stehen. Manchmal hat dies medizinische Gründe, manchmal ist es der wiederkehrende, verzweifelte Versuch, dem Hüftgold zu Leibe zu rücken. Diese allen ins Auge stechenden Wülste haben oft den banalen Hintergrund des hemmungslosen Konsums von Kalorien, die vom Konsumenten gar nicht verbraucht werden können. Auch ich habe, wenn ich der Dame im weißen Kittel Glauben schenken darf, die Verpflichtung auf mein Gewicht zu achten. Dies ist wahrlich einfacher gesagt, denn getan. Denn auch meine Vernunft und mein Widerstand sinken in dem Maße, in dem die Reize meine Nase und Augen kitzeln. Dann werfe ich wie die Zweibeiner alle meine guten Vorsätze über Bord und gebe mich der sinnlichen Völlerei hin. Der einzige Unterschied dabei ist, ich muss mein Schnitzel mit Sauce des nächtens erbeuten und bekomme es nicht auf einem Teller serviert. Das ich dann gewisse Spuren in meinem Domizil hinterlasse, ist logisch und das Gemecker darüber von Seiten der Zweibeiner unangebracht. Denn auch für mich gilt: Der Geist ist willig, aber das Fleisch macht mich schwach.

Ihr Moritz von und zu Blaustein

Aus:

Die andere Sicht des Alltäglichen
– Kalendergeschichten –

Joachim Dorn
neobooks, 26.04.2014

zum Schmunzeln (8)


Das Grenzenlose

Jetzt im Winter, wenn es kalt ist, die Natur ruht, wenn sie ihre Wunden, geschlagen von menschlicher Hand, mit Schnee verbirgt, herrscht Stille. Kein Gezwitscher, kein Summen, kein menschlicher Lärm stört die seltenen Rufe der verbliebenen Vögel. Alles scheint innezuhalten. Nur hin und wieder enthüllt der Wind sein wildes Gesicht. Er ist der alleinige Herrscher im Schilf, im See, im Wald und im Feld. Er peitscht die Halme, drischt das Wasser, biegt die Wipfel und springt in Wellen den Hang hinab. Er tobt sich aus, zeigt sein virtuoses Spiel. Das fahle Licht der Sonne beleuchtet die schüttere und doch erhabene Schönheit dieser Augenblicke. Und der kleine Betrachter, sich dem Wind entgegenstemmend, staunt ob der Volten, der Sprünge, der Freiheit zu welchen seine Gedanken in diesen Momenten fähig sind. Die Arme ausbreiten und frei wie ein Vogel fliegen, das wäre wunderbar.

Ihr Moritz von und zu Blaustein

Aus:

Die andere Sicht des Alltäglichen
– Kalendergeschichten –

Joachim Dorn
neobooks, 26.04.2014

Insel Reichenau

Winter am See – kleine Ausflüge (11/3)


Die dritte Kirche der Insel Reichenau, die ich hier kurz beschreiben möchte, ist St. Peter und Paul, am äußeren Zipfel der Insel gelegen.

Reichenau - St. Peter und Paul

Reichenau – St. Peter und Paul

Die erste Peterskirche wurde an der gleichen Stelle im Jahre 799 errichtet. Nach zwei Bränden wurde 1080 die heutige Säulenbasilika erstellt.

Reichenau - St. Peter und Paul Altarraum

Reichenau – St. Peter und Paul Altarraum

In der bemalten Apsis sitzen in der oberen Reihe je 5 Apostel zur Linken und Rechten Christi, sie repräsentieren damit das Neue Testament. In der unteren Reihe sitzen je 5 Propheten zur Linken und Rechten Christi, sie stehen für das Alte Testament. Ursprünglich waren es 6 Apostel und Propheten auf beiden Seiten, aber jeweils zwei fielen einer Fenstervergrößerung im 18. Jahrhundert zum Opfer.

Auch hier gibt es ein kleines Museum, dass die Geschichte der Kirche veranschaulicht.

Wenn man über den angeschlossen Friedhof geht, nach dem Tor rechts abbiegt und sich Richtung See bewegt, hat man einen tollen Blick über den Gnadensee nach Allensbach.

Reichenau - Blick Richtung Allensbach

Reichenau – Blick Richtung Allensbach

Folgt man dann dem kleinen Pfad am Ufer entlang, erreicht man nach einigen Metern einen Fischkiosk, ein kleines Fischrestaurant, das den jeweiligen Fang des Tages anbietet (im Winter geschlossen).

Wie bereits erwähnt, die Insel ist immer einen Besuch wert.

Insel Reichenau

Winter am See – kleine Ausflüge (11/2)


Der älteste Standort der drei Reichenauer Kirchen befindet sich beim Münster St. Maria und Markus. Im Jahre 724 gründet hier Pirmin das Kloster in der damals üblichen Form als Holzgebäude.

Reichenau - Münster St. Maria und Markus Rückseite

Reichenau – Münster St. Maria und Markus Rückseite

Die späteren Bauphasen der Abteikirche sind hier detailliert beschrieben.

Reichenau - Münster St. Maria und Markus Kräutergarten

Reichenau – Münster St. Maria und Markus Kräutergarten

Um 840 schrieb der Reichenauer Abt Walahfrid Strabo den Hortulus, das bedeutendste botanische Werk des Mittelalters. Er bezieht sich bei seiner Kräuterlehre auf das 70.Kapitel des „capitulare de villis“, der Güterverordnung Karls des Großen. Im Jahre 1991 wurde nach diesem Vorbild auf dem Klostergelände ein Kräutergarten angelegt.

Reichenau - Münster St. Maria und Markus Mittelschiff

Reichenau – Münster St. Maria und Markus Mittelschiff

Im Kircheninnern fehlt jeglicher barocker Glanz, trotzdem gibt es einige Kleinode zu entdecken.

ReiReichenau - Münster St. Maria und Markus Wandmalereichenau - Münster St. Maria und Markus Wandmalerei

Reichenau – Münster St. Maria und Markus Wandmalerei

Reichenau - Münster St. Maria und Markus Prozession

Reichenau – Münster St. Maria und Markus Prozession

Rund 500 m vom Klostergelände entfernt befindet sich am Ergat (Dorfplatz) das größte Museum der Insel. Hier kann man sich über das Leben auf der Insel und über die goldene und silberne Periode des Klosters umfassend informieren. Einen Besuchsbericht findet man hier.

Neben dem kulturhistorischen bietet die Insel, vor allem an Uferweg besonders im Winter sehenswerte Eindrücke.

Insel Reichenau - Winteridylle

Insel Reichenau – Winteridylle

Insel Reichenau - Winterpause

Insel Reichenau – Winterpause

Wie bereits erwähnt, die Insel ist einfach immer eine Reise wert.

Insel Reichenau

Winter am See – kleine Ausflüge (11/1)


Immer einen lohnenswerten Besuch bildet die Klosterinsel Reichenau, neben den Pfahlbauten das Unescco Weltkulturerbe am Bodensee. Sicherlich gibt es eine Unmenge von Beschreibungen, Abhandlungen über diese „reiche Au“ im Netz oder auch in Buchform, trotzdem möchte ich in Teilberichten die Kirchen der Insel beschreiben.
Insgesamt drei sehenswerte Kirchen findet man auf der Insel, die durch ihr Alter, ihren Schmuck und ihre Bemalung einmalig sind.

Reichenau - St. Georg

Reichenau – St. Georg

Wenn man über die Pappelallee auf die Reichenau kommt, erhebt sich am Ortseingang von Oberzell rechter Hand die Basilika St. Georg. Die Kirche wurde von Abt Hatto (888 bis 913) errichtet und zählt zu den ältesten Georgskirchen in Europa.

Reichenau - St. Georgs-Statue

Reichenau – St. Georgs-Statue

In der unterirdischen Krypta wird das Haupt des heiligen Georg aufbewahrt, welches der Abt Hatto von Papst Formosus im Jahre 896 erhalten hatte.

Reichenau - St. Georg Altarraum

Reichenau – St. Georg Altarraum

Der Altarraum ist auffallend schlicht, während der Rest des Innenraumes mit wunderbaren Malereien ausgeschmückt ist.

Reichenau - St. Georg Eingangsbereich

Reichenau – St. Georg Eingangsbereich

Reichenau - St. Georg Wandbild Nordseite

Reichenau – St. Georg Wandbild Nordseite

Nicht nur die Bemalung der Apsis lässt den Besucher staunen. In acht Bildern, je vier auf beiden Seiten, werden Geschichten der Bibel, die die Macht Jesus beschreiben, in beeindruckender Weise dargestellt. Auf dem obigen Bild wird die Beruhigung des Sturmes auf den See Gennesaret illustriert. Die Bilder entstanden durch Reichenauer Mönche im 10. Jahrhundert. Die mehr als 4 m breiten und 2 m hohen Wandbilder sind die frühesten ihrer Art nördlich der Alpen. Von Mai bis September ist die Kirche aus konservatorischen Gründen geschlossen. Es gibt aber täglich zwei Führungen (12.30 und 16.00 Uhr).
Weitere, genauere Details erfährt man im Museum (linker Hand beim Parkplatz). Das Museum ist im Winter am Sonntag ab 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.

Im Volksmund wird die Insel auch als Salatinsel bezeichnet, und wer auf die Reichenau geschickt wird, dem spricht man, vorsichtig formuliert, gewisse geistige Fähigkeiten ab. Ein vielseitiger Ort!

zum Schmunzeln (7)


Die Ode

Obwohl ich, wie an anderer Stelle bereits erwähnt, durch meine zweibeinige Dame der Fähigkeit zur Zeugung beraubt wurde, bleibe ich ein großer Verehrer des Weiblichen. Ihr Duft, ihre Statur, ihr Gang, ihre Laute, ihr unausgesprochenes Versprechen für seligmachende Momente lassen mich immer aufs Neue erschaudern. So folge ich wieder und wieder diesem Lockruf, erliege dem Zauber und selbst ein Sprung vom Balkon des ersten Stockes stellt dabei kein Hindernis dar. Ich erliege dem Ruf der Natur, ergebe mich meiner Bestimmung und überschreite sehenden Auges ständig meinen Rubikon. Kehre ich dann nach Hause zurück, hungrig zwar, aber mit einem Füllhorn von wunderbaren Erfahrungen bereichert, genieße ich in meinen Wachträumen das Erlebte erneut. Und obwohl ich nicht jede Form des Möglichen dabei genießen kann, gilt auch für mich der weltberühmte Satz von Edith Piaf „ Non, je regrette rien“.

Ihr Moritz von und zu Blaustein

Aus:

Die andere Sicht des Alltäglichen
– Kalendergeschichten –

Joachim Dorn
neobooks, 26.04.2014