zum Schmunzeln (5)


Die Selbstdarstellung

Das Verhalten einiger Vertreter der Gattung Zweibeiner lässt mich an Ihrem klaren Verstand zweifeln, obwohl sie diesen vehement für sich beanspruchen und ihn meiner Gattung grundsätzlich absprechen. Beispielhaft sind jene Formen, mit denen sie sich scheinbar voller Hingabe in unterschiedlichen Medien prostituieren, um dadurch einen kurzen Moment der Aufmerksamkeit zu erhalten. Dies scheint ein so unerlässliches Lebenselixier zu sein, dass sie dabei keine Peinlichkeit vermeiden. Selbst dauerhafte Bindungen werden vor einem Millionenpublikum mit tatkräftiger Unterstützung durch ungeeignete Berater in inzwischen abendfüllenden Sendungen vollzogen. Was einmal als Glücksspiel in “Herzblatt“ begann, hat sich zur erlebensverbindlichen Suche nach dem geeigneten Partner in der Landwirtschaft entwickelt. Könnte ich mit den Tasthaaren an meinen Vorderläufen Violine spielen, ich wäre ein Talent. Die Zweibeiner entlocken mit ganz anderen körperlichen Gegebenheiten den Instrumenten klingende Melodien. In einem Bewerbungsmarathon leihen die Zweibeiner dann ihre Stimme großen Interpreten, die dabei ihre eigenen Lieder nicht wiedererkennen würden. Manche der hervorgebrachten Laute erinnern mich an mein nächtliches Flehen nach sinnlichen Genüssen mit einer holden Katzendame. Dabei erschreckt mich jedoch insgesamt die Tatsache, dass Millionen von Zweibeinern sich durch diese Peinlichkeiten unterhalten lassen. Genießen die Unzulänglichkeiten ihrer Geschlechtsgenossen, wohl wissend, dass sie es kaum besser machen würden. Ob Ihnen dabei bewusst ist, dass sie es sind, die diesen Umtrieben ihre Daseinsberechtigung verschaffen? Diesen neuen Grundsatz – Outing ist der Standard – Intimität ist die Ausnahme – werden sie damit immer mehr verfestigen. Ich für meinen Teil nutze meine Tasthaare lieber nachts, um meine Umgebung zu erforschen, mache dies still und leise und nicht vor aller Augen. Und so wünsche ich manchem Zweibeiner die Einsicht, dass Verzicht manchmal Weitsicht bedeutet.

Ihr Moritz von und zu Blaustein

Aus:

Die andere Sicht des Alltäglichen
– Kalendergeschichten –

Joachim Dorn
neobooks, 26.04.2014

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2 Gedanken zu „zum Schmunzeln (5)

  1. Mallybeau Mauswohn

    Lieber Herr Dorn!
    Auch wenn so manch einer nach einer durchzechten Nacht einen Kater hat, scheint er sich oftmals nicht in Verzicht üben zu wollen. Katzen scheinen wirklich die besseren Menschen zu sein 🙂 Miau!
    Herzliche Grüße an den See
    Mallybeau

    Antwort

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