zum Schmunzeln (1)


Der Schein

Wenn meine zweibeinigen Freunde außer Haus sind, um für meine adäquate Ernährung zu sorgen, lehne ich mich gerne bequem auf dem Sofa zurück. Sehr oft erliege ich dann der Anziehungskraft jenes kleinen mit Knöpfen ausgestatteten Kästchens mit dem man die nicht zu unterschätzende Macht über dieses rechteckige Gebilde hat, in dem die Bilder laufen. Besonders interessant sind dabei für mich jene Passagen, die sich mit den vermuteten Konsumwünschen der Betrachter auseinander setzen. Was es nicht alles gibt – Fortbewegungsmittel in jeglicher Form und Farbe, unterschiedliche Füllmittel für dieses Monstrum, das im Keller steht und mir mit seinen schnellen Drehungen einen hohen Respekt abverlangt, eine Vielzahl von Geruchsvernichtern, Durstlöschern und was weiß ich noch alles. Entspannend, ja erquickend bei diesem Tun ist, dass die Protagonisten nur wohlgeformte, zufriedene, glücklich lächelnde und auch sonst von keinerlei Makel behaftete Vertreter der Zweibeiner sind. Dabei ertappe ich mich dann bei der wiederkehrenden Frage, wo sind alle diese makellosen Exemplare in meiner bescheidenen Wirklichkeit? Bei meinen Streifzügen entdecke ich nämlich immer auch Andere, nicht unbedingt Wohlgeformte, höre Keifende und erlebe Weinende. So beschleicht mich dann immer der Verdacht, der inzwischen zur Erkenntnis gereift ist, dass in dieser flimmernden Kiste doch mehr Schein als Sein vorhanden ist. Dann bin ich immer dankbar, ein stattlicher Kater zu sein, der kein 24-Stunden-Sicherheit-Deo-mit-der-lockt-jedes-Mädel-an-Garantie oder einen 3-Hauptstädte-Frisur-bewegungslos-haltenden-Klebstoff braucht. Man mag mich eben wie ich bin.

Ihr Moritz von und zu Blaustein

aus

Die andere Sicht des Alltäglichen: Kalendergeschichten

Joachim Dorn
neobooks, 26.04.2014 – 64 Seiten

Moritz von und zu Blaustein ist der selbst gewählte Name eines Katers, der irrtümlicherweise dem Glauben erliegt, er wäre von adligem Geblüt. So ausgestattet mit einer gehörigen Portion Arroganz und Selbstverliebtheit betrachtet und beschreibt er seine Umwelt, wobei er ab und an auch zu feiner Selbstironie neigt. Alle Geschichten sind frei erfunden, jegliche Übereinstimmungen mit lebenden Personen sind rein zufällig.

Advertisements

4 Gedanken zu „zum Schmunzeln (1)

  1. Mallybeau Mauswohn

    Sehr schön geschrieben. Die Katergedanken kann ich als Kuh natürlich gut nachvollziehen, auch wenn mein Gang nicht ganz so geschmeidig wie der einer Katze daherkommt. Und geliebt werde ich auch so, wie ich bin. Am liebsten auf dem Teller mit Kartoffeln und viel Soße 🙂
    Herzliche Grüße von der Alm
    Mallybeau

    Antwort
  2. Anonymous

    So, so, so,es geht also wieder weiter.Das finde ich gut und bin sehr gespannt. ALLERDINGS BIN ICH MIR SICHER,DASS ES ÜBEREINSTIMMUNGEN MIT LEBENDEN PERSONEN GIBT…….

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s