Archiv für den Monat November 2016

zum Schmunzeln (2)


Das Gefecht

Wenn ich manchmal meine weibliche Zweibeinerin des Morgens oder des Abends vor ihrem gut überfüllten Kleiderschrank beobachte, umspielt ein wissendes Schmunzeln meine Lippen. So klar und deutlich wie sie sonst die Dinge behandelt, so unschlüssig erscheint sie bei der Menge, der nach einem mir unverständlichen System sortierten Ober- und Unterteile. Immer wieder in nicht freundlicher Art vor sich hinmurmelnd zieht sie einzelne Teile heraus, hält sie an die passenden Stellen, tritt zur Überprüfung der Wirkung vor Spiegel, verdreht sich dabei zur Betrachtung in eigenartige Posen, um dann das gewählte Objekt unter Abgabe von Zischlauten wieder in den Schrank zurück zu hängen. In diesem ersten Akt des Dramas vollziehen sich diese Vorgänge noch in gemäßigten Bewegungen. Im zweiten Akt werden die Bewegungen dann unkontrollierter, die Schnelligkeit steigert sich und die Zischlaute nehmen an Intensität zu. Im Finale fliegen dann die ehemals sorgsam gefalteten und aufgehängten Kleidungsstücke unter lautstarkem Protest auf das Bett, bilden einen weichen Berg auf dem ich mich gerne zum Ruhen niederlassen würde, es bei der angespannten Stimmung aber tunlichst vermeide. Oft endet dieses Schauspiel plötzlich und unerwartet schnell, die Zweibeinerin schnappt sich scheinbar wahllos Teile, die sie sich dann mit überraschender Geschwindigkeit überstreift, irgendwelches Beiwerk packt und unser gemeinsames Heim unter lauten Knall mehrerer Türen rasend schnell verlässt. In diesem Augenblick weiß ich dann ganz sicher, dass die Teile im Schrank eine Ergänzung erfahren werden. Wenn ich mich dann auf dem hinterlassenen Berg genüsslich zur Ruhe begebe, denk ich mir: Egal was sie anhat, ich mag sie immer.

Ihr Moritz von und zu Blaustein

aus

Die andere Sicht des Alltäglichen
– Kalendergeschichten –

Joachim Dorn
neobooks, 26.04.2014 – 64 Seiten

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Fougasse

Kulinarisches aus der Provence – Fougasse


Heute habe ich, auch auf Wunsch meiner kleinen Schwester, einen kulinarischen Ausflug an die französische Mittelmeerküste unternommen.

Zutaten: 350g Mehl, 50g Hartweizenmehl, 1 Tütchen Trockenbackhefe, 1 1/2 TL Zucker, 2 TL Salz, 250ml Wasser (43°C), Olivenöl zum Einfetten und Bestreichen, 100g schwarze Oliven, sehr fein gehackt, 4 1/2 TL Kräuter der Provence

Das Brot gibt es in unterschiedlichen Formen in Frankreich. Typisch für die Provence sind die Oliven, Kräuter und die ährenförmigen Schlitze.

Zutaten Fougasse

Zutaten Fougasse

Mehl, Hefe, Zucker und Salz in einer Schüssel mischen, in der Mitte eine Vertiefung schaffen, dort nach und nach das Wasser einfüllen und die Masse vom Rand her einarbeiten, bis ein weicher klebriger Teig entstanden ist. Den Teig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche kneten, zu einer Kugel formen, in einer mit Öl eingefetteten Schüssel wenden, mit Frischhaltefolie abdecken und eine Stunde in einem warmen Raum gehen lassen. Das Teigvolumen sollte sich verdoppeln.

Teigkugel

Teigkugel

Den Backofen auf 230° C vorheizen, zwei Backbleche mit Hartweizenmehl bestäuben. Dem Teig auf einer bemehlten Arbeitsplatte Oliven und Kräuter zügig untermischen, und den Teig halbieren.

Teig

Teig

Mit einer eingefetteten Teigrolle den Teig ausrollen, mit einem scharfen Messer die Schlitze anbringen (dürfen nicht durch den ganzen Teig gehen), den Teig unter Aussparung der Schnitte dünn mit Olivenöl bestreichen (abweichend vom Rezept habe ich noch grobe Salzkörner darübergestreut). Die Laibe 25 – 30 Minuten bei 200° C goldbraun backen.

Lauwarm oder kalt servieren. Nach Wunsch Olivenöl, Butter oder auch eine Tapenade dazu reichen.

Rezeptquelle: Das Backbuch

zum Schmunzeln (1)


Der Schein

Wenn meine zweibeinigen Freunde außer Haus sind, um für meine adäquate Ernährung zu sorgen, lehne ich mich gerne bequem auf dem Sofa zurück. Sehr oft erliege ich dann der Anziehungskraft jenes kleinen mit Knöpfen ausgestatteten Kästchens mit dem man die nicht zu unterschätzende Macht über dieses rechteckige Gebilde hat, in dem die Bilder laufen. Besonders interessant sind dabei für mich jene Passagen, die sich mit den vermuteten Konsumwünschen der Betrachter auseinander setzen. Was es nicht alles gibt – Fortbewegungsmittel in jeglicher Form und Farbe, unterschiedliche Füllmittel für dieses Monstrum, das im Keller steht und mir mit seinen schnellen Drehungen einen hohen Respekt abverlangt, eine Vielzahl von Geruchsvernichtern, Durstlöschern und was weiß ich noch alles. Entspannend, ja erquickend bei diesem Tun ist, dass die Protagonisten nur wohlgeformte, zufriedene, glücklich lächelnde und auch sonst von keinerlei Makel behaftete Vertreter der Zweibeiner sind. Dabei ertappe ich mich dann bei der wiederkehrenden Frage, wo sind alle diese makellosen Exemplare in meiner bescheidenen Wirklichkeit? Bei meinen Streifzügen entdecke ich nämlich immer auch Andere, nicht unbedingt Wohlgeformte, höre Keifende und erlebe Weinende. So beschleicht mich dann immer der Verdacht, der inzwischen zur Erkenntnis gereift ist, dass in dieser flimmernden Kiste doch mehr Schein als Sein vorhanden ist. Dann bin ich immer dankbar, ein stattlicher Kater zu sein, der kein 24-Stunden-Sicherheit-Deo-mit-der-lockt-jedes-Mädel-an-Garantie oder einen 3-Hauptstädte-Frisur-bewegungslos-haltenden-Klebstoff braucht. Man mag mich eben wie ich bin.

Ihr Moritz von und zu Blaustein

aus

Die andere Sicht des Alltäglichen: Kalendergeschichten

Joachim Dorn
neobooks, 26.04.2014 – 64 Seiten

Moritz von und zu Blaustein ist der selbst gewählte Name eines Katers, der irrtümlicherweise dem Glauben erliegt, er wäre von adligem Geblüt. So ausgestattet mit einer gehörigen Portion Arroganz und Selbstverliebtheit betrachtet und beschreibt er seine Umwelt, wobei er ab und an auch zu feiner Selbstironie neigt. Alle Geschichten sind frei erfunden, jegliche Übereinstimmungen mit lebenden Personen sind rein zufällig.

Campus Galli 2016 – Mein Fazit


Seit wenigen Tagen hat Campus Galli für die Besucher seine Pforten geschlossen. Eine erfolgreiche Saison ist zu Ende gegangen, die Besucherzahlen lagen fast 10% über dem Plan, die meisten Vorhaben wurden erfolgreich beendet.

Das wichtigste Bild für mich in diesem Jahr habe ich aber nicht in der Holzkirche, nicht an Feldhütte nicht bei der neuen Schmiede, nicht am neuen Töpferofen oder am neuen Schweinestall gemacht, sondern als Gruppenphoto am 27. Mai diesen Jahres.

Mitarbeitende am 27. Mai 2016

Mitarbeitende am 27. Mai 2016

Das Bild verdeutlicht, welche besonderen Möglichkeiten in diesem Projekt liegen und vor allem, dass sie auch genutzt werden. Neben Festangestellten und Freiwilligen bilden Langzeitarbeitslose aus einem Projekt des Werkstättle und Jugendliche aus der diakonischen Jugendhilfeeinrichtung Mutpol die Mitarbeiter an diesem Tag. Eine einfachere Form der Integration von Randgruppen ist kaum möglich. Wer dabei eine Verwendung von billigen Arbeitskräften zum Kritikpunkt macht, wie in einigen sozialen Foren lesbar, war noch nie über lange Zeit arbeitslos, und somit der sich daraus enstehenden sozialen Ausgrenzung ausgesetzt. Hier wird jeder gebraucht, auch der Jugendliche, der am Endes des Tages weiß, auch ohne Konsole lässt sich so ein Tag sinnvoll gestalten, wie es einer der Betreuer ausdrückte.

Neben der spannenden Bautätigkeit, den tollen Gespräche mit den Mitarbeitern ist dies sicher ein weiterer, wichtiger Grund das Projekt zu unterstützen.