Drei Tage zwischen Hochrhein und Schwarzwald – Teil 3


Albbruck – Höchenschwand – St. Blasien – Bernau – Geschwend – Wiedener Eck – Staufen – Müllheim – Istein – großes Wiesental – Geschwend – Albbruck

Gut ausgeruht und voller Tatendrang begannen Joachim und Rita Maria den dritten Tag. Nach dem Frühstück, diesmal mit Brezel und Brötchen, welches nach der Meinung von Rita Maria garantiert aufgebacken war, starteten die Beiden bei etwas trübem Wetter ihre große Rundfahrt. Nachdem sie in der Autowerkstatt die Beseitigung der vom TÜV festgestellten Mängel und einen Termin vereinbart hatten, war ihr erstes Ziel Höchenschwand. In der dortigen Bankfiliale wollte Joachim Rita Maria die Möglichkeit der digitalen Überweisung erklären, leider war der dazu notwendige Bankautomat nicht vorhanden. Aber eine gemeinsame Arbeitskollegin aus vergangenen Tagen begrüsste sie mit den Worten:“ Schön Euch wieder zusammen zu sehen!“. Beide beeilten sich glaubhaft zu versichern, dass Joachim nur für einen Kurzbesuch vor Ort weilte.
Abseits der Hauptverkehrswege fuhren sie über St. Blasien, Bernau, Geschwend, Utzenfeld in Richtung Wiedener Eck. Rita Maria saß am Steuer, das sie die Meinung vertrat, auf diesen engen Strassen sei das besser. Joachim dachte bei sich, ich habe hier 16 Jahre gelebt, und lehnte sich entspannt zurück.

Wiedener Eck

Wiedener Eck

Auf der Passhöhe machten die Beiden ihren ersten Halt. Das dargestellte Tor war Joachim gänzlich unbekannt, die Tafeln informierten aber, dass hier der Westweg vorbeiführte.

Kartenstudium

Kartenstudium

Auch Rita Maria stillte ihren Hunger nach Informationen.
Danach fuhren die Beiden überaus gemütlich die Passstraße hinunter, so gemütlich, dass ein Reisebus von hinten immer näher kam. Rita Maria hielt auf der rechten Seite an, was Joachim diesen Schnappschuss ermöglichte.

Felswand - Richtung Münstertal

Felswand – Richtung Münstertal

Der nächste Halt erfolgte im unteren Drittel der Passstraße, wo sich auf der linken Seite eine kleine Aussichtsplattform befindet.

Blick ins Münstertal

Blick ins Münstertal

Rita Maria meinte, dass man hier nach dem Bestehen aller Gefahren üblicherweise einen Schnaps trinkt, sie begnügten sich mit Mineralwasser und „Flirty“.
Auf dem Bild erkennt man nur den oberen Teil der Gemeinde Münstertal. Das Kloster St. Trudpert, welches einen eigenen Beitrag wert ist, und den restlichen größeren Teil entdeckt man erst beim Durchfahren.
Nun meldete sich bei den Beiden der „kleine Hunger“ und sie fuhren nach Staufen, wo Rita Maria ein gutes Restaurant kannte, dass sie bereits mehrfach aufgesucht hatte. Zielstrebig steuerte sie einen großen Parkplatz an, der aber leider wegen des Aufbaus zum Weinfest bereits gesperrt war. Nach einigem Hin und Her in engen Gassen fanden sie einen Parkplatz fast unmittelbar beim Stadtkern.

Rathaus Staufen

Rathaus Staufen

Bei dem Bild ist anzunehmen, dass die Kamera in schräger Stellung war, und die Neigung des Hauses nicht den Problemen der Stadt Staufen mit ihren Geothermiebohrungen geschuldet ist. Das Thema mit den Rissen in den Häusern hat den berühmtesten Sohn der Stadt, Johann Georg Faust – Alchimist und Magier, Vorlage für Goethes Dr. Faust, in den Hintergrund gedrängt.
Das Essen war ausgezeichnet, Rita Maria hatte den elsässischen Flammkuchen, Joachim Hähnchenbrust mit Pfefferrahmsauce und Pommes gewählt. Das Restaurant hat durchgehend warme Küche, liegt rechts vom Rathaus an der Einmündung einer kleinen Gasse mit einer großzügigen Bestuhlungen auf dem Vorplatz.

Burg Staufen

Burg Staufen

Nach dem Essen war Rita Maria der Meinung, nun müsste man die Burg erklimmen. Einsetzender Nieselregen bewahrte Joachim vor diesem Gewaltakt. So schlenderten die Beiden durch die malerische Altstadt, wobei auch Ihnen die zahlreichen Risse in den Hauswänden auffielen.

verstecktes Kleinod

verstecktes Kleinod

Aber sie fanden auch eine Vielzahl von sehenswerten Anblicken, man muss sie nur erkennen.
Zurück am Ausgangspunkt stiegen sie wieder ins Auto und fuhren weiter Richtung Schliengen. Joachim ward nun wieder die Gnade des Lenkens zuteil. Eine Vielzahl von kleinen Weinbaugemeinden, Weinbergen säumte ihren Weg. Während der Fahrt erklärte Rita Maria, dass sie in Müllheim einen Baumarkt aufsuchen müssen. Joachim erlebte ein deja vu, da sie am Morgen noch einen Clip von Reinhard Mey „Männer im Baumarkt“ gesehen hatten. Er summte belustigt den Refrain “ Männer im Baumarkt, während draußen die Frau parkt, lalala“. Der Besuch im Baumarkt war zunächst nicht von Erfolg gekrönt, da trotz intensiver Suche keine kleine Packung Rasensamen zu finden war. Aber auch Rita Maria und Joachim fanden dann im Kassenbereich noch ihr Schnäppchen.
Ihr nächstes Ziel war Istein. Rita Maria war sich nach einigen geäußerten Zweifeln dann sicher, dass sie sich auf der richtigen Strasse befänden. Als sie schließlich in Eimeldingen waren, wurde Beiden klar, irgendwie waren sie an Istein vorbeigefahren. Joachim bog Richtung Märkt ab und bei der nächsten Haltemöglichkeit aktivierte Rita Maria das Navi.
Sie waren auf einer Parallelstraße gefahren und mussten einfach 6 km Richtung Norden. Ab Istein wusste Rita Maria wieder Bescheid und teilte Joachim mit er müsse den Parkplatz auf der linken Seite wählen. Prompt fuhr der vorbei, da sie das andere links meinte. Da aber eine Wendemöglichkeit vorhanden war, kamen sie doch problemlos ans Ziel.

Isteiner Klotz

Isteiner Klotz

Seit Jahrhunderten war der Isteiner Klotz Burg, Festung oder Bunker, selbst im kalten Krieg diente er noch als großes Medikamentenlager der Bundeswehr.

St. Veitskapelle

St. Veitskapelle

Ohne Führung ist nur die St. Veitskapelle zu besichtigen, die schon im Mittelalter bestanden hatte, nach dem 2. Weltkrieg zerstört wurde und erst 1989 neu aufgebaut wurde.
Um dem Feierabendverkehr auf der Hochrheinschiene zu entgehen, wählte Joachim den Rückweg durch das große Wiesental. Regentropfen, monotones Rollen der Räder und Vertrauen in den Fahrer ließen Rita Maria in einen leichten Schlummer fallen, der mit Beginn der kurvenreichen Strecke zwischen Geschwend und Bernau wieder endete. Sie fuhren noch durch das Ortsinnere von St. Blasien, jahrelange Heimat von Joachim, und stellten fest, dass die Veränderungen im Rahmen geblieben waren. Wie am frühen Morgen vereinbart, stellten sie das Auto bei der Autowerkstatt ab und machten sich zu Fuß auf den Heimweg. Nach rund einer Stunde waren sie dann zu Hause. Rita Maria war der Meinung, dass Gemüse ja kaum Kalorien habe. Joachim gab den Rest des Auflaufs in ein Pfanne, verfeinerte ihn mit einem Becher Sahne, etwas Salz und Pfeffer und die Beiden ließen es sich schmecken. Joachim empfand es als großes Kompliment, dass Rita Maria mit dem Löffel die Pfanne auskratzte. Mit einer Flasche eisgekühltem Lambrusco, Gesprächen über Gott und die Welt, beschlossen die Beiden den tollen Tag.
Nach dem gemeinsamen Frühstück, herzlichen Umarmungen machte sich Joachim am Mittwoch Morgen mit einem Füllhorn schöner Eindrücke auf den Heimweg.

Anmerkung des Verfassers: Zu Schulzeiten hätte die Überschrift „Mein schönstes Ferienerlebnis“ gelautet.

Informationen:

Das Kloster St. Trudpert

Geothermie und Staufen

Der historische Faust

Reinhard Mey – Männer im Baumarkt

Burg Istein

Sagendichtung zum Isteiner Klotz

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