Gartenpanorama

Drei Tage zwischen Hochrhein und Schwarzwald – Teil 1 und 2


Nachdem unsere beiden Protagonisten, Rita Maria und Joachim, im Mai diesen Jahres Mittelschwaben unsicher gemacht hatten, machte sich nun Joachim am letzten Julisonntag auf, Rita Maria in ihrem Domizil in Albbruck aufzusuchen. Nach rund eineinhalb Stunden Fahrt von Stockach über den Randen, durch Tiengen und Waldshut hindurch, erreichte Joachim Albbruck, nahm im zweiten Versuch die richtige Straße in Richtung Albert, um dann vier Mal an der leicht übersehbaren Einfahrt zur Straße von Rita Maria vorbeizufahren. Obwohl er vor rund zehn Jahren zu manchen Zeiträumen den Weg täglich befahren hatte. Als er dann endlich sein Auto auf dem ihm noch unbekannten Stellplatz geparkt hatte, konnte er Richtung Eingang schreiten. Anstelle des riesigen Baumes wuchsen hier nun Sträucher, Rosen und allerlei Grünzeugs. Nach einer freundschaftlichen Begrüßung verbunden mit der Übergabe einer Zimmerlilie durch Joachim, führte Rita Maria ihn durch das Haus. Joachim war die Grundaufteilung des Hause bekannt, zumal er teilweise an ihr noch mitgewirkt hatte. Insgesamt befand er, dass alle Räume großzügig und mit viel Liebe zum Detail gestaltet waren, besonders das großes Bad, welches es sicher ohne Probleme in „Schöner Wohnen“ schafft. Dies gilt auch für den Garten, den man auf dem Titelbild betrachten kann. Nach einer kurzen Einweisung in der Küche durch Rita Maria, machte sich Joachim an seinem in den nächsten Tagen öfters genutzten Arbeitsplatz daran, eine Platte mit Tomatensalat und Mozzarella zu schaffen. Beim gemeinsamen Verspeisen beschlossen die Beiden an diesem regnerischen Nachmittag zunächst das Müllmuseum in Wallbach zu besuchen.

Tour - 1 Tag

Tour – 1 Tag

Albbruck – Wallbach – Steinen und zurück

Mit dem Begriff „Müllmuseum“ verbindet der gemeine Besucher auf keinen Fall das Erlebnis, dass sich auf mehreren Etagen, Rita Maria meinte einer umgebauten Scheune, dem Betrachter dann darstellt. Wie vor 25 Jahren alles begann, findet man auf der u.a. Homepage des Museums.

Die Museumsmacher, die Familie Thomann, haben unterschiedliche Themenbereiche geschaffen. Sie alle hier bildlich vorzustellen, würde den Rahmen sprengen, aber für eine kleine Bildergalerie reicht es immer.

Die Dame im Winter

Die Dame im Winter

Die Bilder stellen immer nur einen Ausschnitt der Thematik dar, in Wirklichkeit entdeckt man eine Vielzahl von weiteren Exponaten.

Im Frisörsalon

Im Frisörsalon

Beim Schuhmacher

Beim Schuhmacher

Puppenwelt

Puppenwelt

Blechspielzeug

Blechspielzeug

Vor allem das Spielzeug weckte in Rita Maria und Joachim eine Vielzahl von Jugenderinnerungen.

Rummelplatz

Rummelplatz

Manche Ensembles lassen sich mittels 50 Cent zum Leben erwecken. Auf dem Rummelplatz dreht sich das Karussell, spielt die Musik und bewegen sich die Schiffschaukeln. Das Museum verzichtet auf einen Eintritt, bietet aber nach dem ausgeschilderten Rundgang die Möglichkeit einer Spende. Den Initiator haben Rita Maria und Joachim in den Gängen getroffen, wo er die Vielzahl der Komplimente stolz entgegennahm, um danach die Besucher in der Radioabteilung mit alten Schlagern zu unterhalten. Das Museum hat auch ein Cafe, dass an diesem Wochenende jedoch geschlossen war. Rita Maria und Joachim waren uniso der Meinung, hier lohnt sich ein Besuch immer.

Es regnete noch immer und Rita Maria und Joachim beschlossen, über Wehr nach Fahrnau zu fahren und danach über Gersbach und Todtmoos wieder Richtung Heimat. Zehn Jahre nicht mehr vor Ort machen dann doch etwas aus, denn Joachim legte den Ort Fahrnau kurzerhand hinter anstatt vor Schopfheim vom Feldberg kommend gesehen. Immer weiter Richtung Lörrach fahrend, dämmert es ihm irgendwann, dass etwas nicht stimmen kann. Glücklicherweise gelangten die Beiden an eine Kreuzung mit dem Hinweis Vogelpark Steinen. Nach kurzer Besprechung war ein neues Ziel gefunden. Bei leichtem Nieselregen erreichten die Beiden den Parkplatz, gingen zum Eingang und stellten fest, dass sich nach 16.00 Uhr der Eintrittspreis halbiert. Joachim machte dabei noch eine weitere bahnbrechende Entdeckung, mit seinem Alter war er Senior, er hätte eh den verringerten Preis bezahlt. Er beschloss, in Zukunft auf solche Kleinigkeiten zu achten. Rita Maria hatte auf einer Erhöhung in der Nähe eine imposante Kirche aus Buntsandstein entdeckt, und machte sich zu Fuß auf den Weg. Joachim holte das Auto und lud Rita Maria auf halber Höhe ein. Die Kirche war im Innern völlig schmucklos, und ist somit nicht zum Besuch zu empfehlen. Punkt 16.00 Uhr passierten sie die Kasse, um unverzüglich den Belehrungen einer Tierpflegerin für die anstehende Berberaffen- und Pfauenfütterung zu lauschen. Gott sei Dank waren die Belehrungen in englischer Sprache knapper gehalten. Im Gänsemarsch ging es dann los ins Gehege, wo die Besucher Futter gereicht bekamen, mit welchen es die Tiere zu füttern galt. Rita Maria und Joachim betrachteten das Schauspiel kurz, und machten sich auf zur nächsten Attraktion. Sie gelangten in die Sittich-Freiflugvoliere, wo die Besucher, besonders die Kleinen, gekauftes Vogelfutter auf der Hand darbieten können. Wenn man jegliche Hektik vermeidet, fressen einem die Vögel aus der flachen Hand. Der Regen war vorbei und die Beiden schlenderten durch den Rest des Parks.

Gänse

Gänse

Gänse passen auf und ….

Tänzer

Tänzer

….. Andere tanzen oder ….

Aras

Aras

…. machen einen Heidenkrach.

Nachdem die Beiden noch in der Arena waren, in welcher Falkner mit Greifvögeln auftreten, machten sie sich auf den Rückweg. Sie fuhren noch bei den Eltern von Rita Maria vorbei. Der 93-jährige Vater stellte unverzüglich nach der Begrüßung fest, dass Joachim mit einem „Bäuchlein“ gesegnet sei. Die Beiden ernteten noch Bohnen, Tomaten, Kohlrabi, Mangold, Zucchini und Karotten, packten ein paar Kartoffeln ein, alles für den Gemüseauflauf am Folgetag. Sie verabschiedeten sich und fuhren ins Gasthaus Schüürebürzler, wo sie beide Rahmschnitzel mit Spätzle und Salat aßen. So gestärkt fuhren sie nach Hause, schauten zusammen Tatort, bevor sie nach einem ereignisreichen Tag in die Federn sanken.

Tag 2

Tag 2

Obwohl sie erst für 8.00 Uhr zum Frühstück verabredet waren, befand sich Joachim schon um 7.00 Uhr in der Küche, sei es aus seniler Bettflucht oder dunkler Vorahnung, um das Gemüse vorzubereiten. Bohnen, Kohlrabi, Mangold, Kartoffeln, Karotten putzen, waschen und in mundgerechte Stücke schneiden. Das Frühstück bestand aus Kaffee und Marmeladebrot, wobei sich Rita Maria nicht den Seitenhieb verkneifen konnte, dass sie das schlechteste Brot ihres Lebens in Espasingen am Bodensee erworben hatte. Da Joachim damals an dem Verkaufsstand hielt und da Teile des Brotes tiefgefroren überlebt hatten, durfte er es probieren. Weitere Kommentare sind nicht notwendig. So gestärkt nahmen die Beiden ihre ersten Ziele des Tages in Angriff.
Rita Maria hatte in ihre Garage eine Tür herausbrechen lassen und der entstandene Bauschutt sollte auf die Mülldeponie. Gemeinsam hingen sie den befüllten Hänger an und machten sich auf den Weg zur Deponie „Lachengraben“, auf welcher der Gründer des Müllmuseums früher als Raupenfahrer tätig gewesen war. Die Ladung hatten sie mit Pappkartons und Spanngurten gesichert. Trotz aller Sorgfalt machte sich ein Karton selbständig, und sie mussten zur Überprüfung und erneuten Befestigung in Bad Säckingen einen Umweg in Kauf nehmen, der sie ca. 15 Minuten Zeit kostete. Auf der Deponie angekommen, begann der Kampf um die Waage, nach erfolgreichem Bestehen, entleeren des Hängers, startet das Rennen zur Waage erneut. Die Beiden hatten Glück, vor ihnen stand ein Auto auf der Waage zur Ausfahrt. Sie teilten sich, Rita Maria fuhr sofort nach dem Anfahren des Vordermannes auf die Waage, so hatten die Einfahrenden keine Chance, Joachim beglich derweil die Rechnung im Gebäude.
Der weitere Plan sah vor: Sie fahren zum Aldi in Laufenburg, Joachim kauft noch benötigte Zutaten und vor allem das Buttermilcheis für Rita Maria ein, Rita Maria schwingt sich auf das mitgeführte Fahrrad und radelt nach Albbruck, während Joachim seinen Kochkünsten frönt. Leider hatten die Beiden übersehen, dass es der 1. August war, Nationalfeiertag der Schweiz, und so Massen von Kaufwilligen aus dem Nachbarland unterwegs waren. Es gab keinen Parkplatz, Joachim stieg am Eingang aus, Rita Maria wollte einen Parkplatz suchen. Joachim kannte sich bei Aldi nicht aus, also fand er nicht alle Artikel, Buttermilcheis war ausverkauft, er hastete zur Kasse. Inzwischen war auch Rita Maria im Geschäft und wechselte, während Joachim die Waren einpackte, ein paar Worte mit einer gemeinsamen Bekannten aus alten Zeiten. Danach gingen die Beiden zum weit entfernten Parkplatz und fuhren nach Albbruck zurück. Bei dem inzwischen engen Zeitfenster verzichtete Rita Maria auf ihre kleine Radtour.
Zu Hause angekommen, verarbeitet Joachim den Rest des Gemüses, Tomaten und Zucchini, kochte die in Scheiben geschnittenen Kartoffeln vor, blanchierte den Rest des Gemüses und schichtete es dann in eine eingefettete Kasserolle. Eine Schicht Gemüse, dann weiße Grundsoße mit geriebenem Käse, dies mehrfach wiederholt und als letzte Schicht Grundsoße, Käse, sauere Sahne und Butterflöckchen. In der Hektik hatte bei der Erstellung der Grundsoße das Mehl leider geklumpt, so das Joachim die Soße durch ein Sieb pressen musste. Inzwischen war des 12.10 Uhr und der schon nach hinten geschobene Termin um 12.30 Uhr zum Mittagessen war nicht mehr einzuhalten. Der Gemüseauflauf braucht normalerweise 45 Minuten bei 170° C im Backofen. Joachim wählte das Risiko, nahm den Auflauf nach 30 Minuten aus dem Ofen, packte die fünf panierten Schnitzel in Alufolie und los ging es zu den Eltern. Die Kritik hielt sich in Grenzen, obwohl die fehlende Garzeit an der außerordentlichen Bißfestigkeit der Kartoffeln deutlich spürbar war.
Der Nachmittag stand ganz im Zeichen der Gartenarbeit, zunächst wurden gemeinsam die Kartoffeln gelesen, danach bekam Joachim die vertrauensvolle Aufgabe die Johannisbeersträucher zu schneiden. Nachdem im elterlichen Garten für Joachim keine Tätigkeiten mehr anstanden, fuhr er nach Albbruck, und begann im dortigen Garten die Rosen zu schneiden. Bei manchen Rosen schnitt er in Erwartung einer erneuten Blüte nur die verblühten Knöpfe ab, bei anderen, vor allem bei jenen, die auf Straße und Nachbarhof ragten, erfolgte ein resoluter Rückschnitt. Rita Maria befand beim ihrem nachfolgenden Kontrollgang Joachim habe sehr zurückhaltend geschnitten, bis sie dann die gefüllten Hänger mit dem entstandenen Schnittgut entdeckte. Hinsichtlich des erneuten Blühen zeigte sie sich skeptisch, wollte es dann aber photographisch dokumentieren. Insgeheim teilte Joachim ihre Skepsis.
Als Joachim Tomaten und Basilikum für das Abendessen einkaufen wollte, nutzte Rita Maria, als notorische „Ungern-Einkäuferin“ die Gelegenheit ihr Pfandgut loszuwerden, und sich ein Geschenk für den anstehenden Geburtstag der Mutter besorgen zu lassen. Nach dem Abendessen, Tomaten mit Mozzarella und einem Glas eisgekühlten Lambrusco, fuhren die Beiden auf den Estelberg, um das Feuerwerk in der nahen Schweiz zu beobachten. Mit dieser Idee waren sie nicht allein und es war empfindlich frisch auf dem Berg, also fuhren sie nach kurzer Zeit wieder nach Hause. Dort setzten sie sich bei Kerzenlicht in den Garten, tranken den Rest des Weines, und gingen dann mit dem Versprechen Morgen etwas Schönes zu machen ins Bett.

Fortsetzung folgt

Informationen:

Müllmuseum Wallbach

Vogelpark Steinen

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2 Gedanken zu „Drei Tage zwischen Hochrhein und Schwarzwald – Teil 1 und 2

  1. Mallybeau Mauswohn

    Ein sehr schöner detailgetreuer Reisebericht! Besonders das „Müllmuseum“ ist wahrlich eine Augenweide und angefüllt mit tollen Erinnerungsstücken! 🙂
    Ich freue mich auf die Fortsetzung!
    Herzliche Grüße
    Mallybeau M.

    Antwort

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