Archiv für den Monat Juli 2016

Schindeln machen

Campus Galli 2016 – Schindelmacher und Saustall


Nachdem diese Woche am Dienstagmorgen eine ca. 35 m hohe Fichte gefällt wurde, und Sofie aus Berlin, ihres Zeichens „Meistersägerin“, als Freiwillige wieder im Campus Galli weilt, hat Jürgen, der Schindelmacher, die letzten Schindeln für die Holzkirche in Angriff genommen. Nachdem er die Rugel mehrfach, teilweise unter dem Einsatz von zwei Schindeleisen, gespalten hat, entfernt er im vorletzten Schritt das Kernholz. Das Kernholz wird entfernt, da sich dort die Maserung verbreitert, weicher wird, und so die Lebensdauer der Schindeln verringern würde.

Kernholz abspalten

Kernholz abspalten

Auf dem Titelbild erkennt man, wie Jürgen wenn möglich immer vier Schindeln anzeichnet, in der Mitte spaltet, und schließlich durch erneutes Spalten der beiden Stücke vier einzelne Schindeln erhält. Dabei benutzt er immer einen Hammer aus roher Kuhhaut. Dieser hat den Vorteil, er schwingt kaum zurück, und kann somit den ganzen Tag durch eine Person benutzt werden.

Schindel spalten

Schindel spalten

Ute, eine Freiwillige, die nebenan sitzt, bearbeitet die Schindeln weiter. Im Schnitzbock fixiert, begradigt sie mit dem Ziehmesser die Ränder und wenn notwendig eine Seite der Schindel. Der andere Seite der Schindel muss unbearbeitet bleiben, da nur so keine Verletzung der Maserung erfolgt, und der Ablauf von Wasser, sprich Regen, gewährleistet ist.

Schindeln bearbeiten

Schindeln bearbeiten

Die große Anzahl von Freiwilligen, die seit dieser Woche auf dem Campus Galli sind, ermöglichen an vielen Stellen weitere Fortschritte. Für Raphael, den Tierpfleger, ist es ein Herzenswunsch, dass ein neuer Saustall gebaut wird. Die ersten Balken und Pfosten hat Samuel, der Wandergeselle, vor zwei bis drei Wochen fertiggestellt. Julian, ein Zimmermann, der ebenso freiwillig eine Woche auf dem Campus Galli arbeitet, ist mit der Vorderseite beschäftigt. Die Pfosten liegen korrekt aus, er wird die Verbindungen anpassen und mit den notwendigen Zapfen versehen.

Vorderseite neuer Schweinstall

Vorderseite neuer Schweinstall

Auch wieder in Meßkirch ist Julia, die junge Schweizerin, die im letzten Jahr nach Beendigung der Schule lieber ein paar Monate im Campus Galli arbeitete, anstatt eine Weltreise zu machen, wie sie in einem Interview kundtat. Mit einem weiteren jungen Freiwilligen, Manuel, behauen die Beiden ihren ersten Balken. Wie die Profis setzen sie die letze Kerbe an einer schwierigen Stelle, einem Ast – chapeau!

der erste Balken

der erste Balken

Sie werden an einem Tag fertig werden!

Der Stall wird ein schindelgedecktes Pultdach erhalten. Der umbaute Raum liegt bei 37,5 Kubikmetern und erfordert somit keinen roten Punkt. Der Boden ist so konstruiert, dass er ausgewechselt werden kann, und der Urin über einen Kanal in ein Grube laufen wird. Die beiden Düppeler Weideschweine, beides Damen, werden sich freuen.

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Omas Kochbuch

Aus Omas Küche – Weißkraut, gestürzt


Zutaten: 1 !/2 kg Kraut (Kohl) – Zum Abkochen: 2 l Wasser, Salz. – Zum Einlegen: 125 bis 250 g verwiegter Schinken, Salz, eine Prise Pfeffer 1 Eßl. feingeschnittene Petersilie und Zwiebel, 1/4 l Milch. Zum Belegen: 2 Eßl. Weckmehl und 20 g Butterwürfel.

Das Kraut wird geputzt, gewaschen, in kochendem Salzwasser 5 Minuten vorgekocht und auf ein Sieb gegeben. Eine oder zwei gefettet Auflaufformen werden mit Krautblättern ausgelegt, Schinken oder gekochtes Salzfleisch, Milch, Zwiebel und Petersilie, eine Lage Krautblätter, wenig Salz und Pfeffer daraufgeben, wieder Schinken usw., bis man alle Zutaten eingelegt hat. Nun streut man Weckmehl und Butterstückchen darüber und stellt die Formen eine Stunde in den heißen Backofen. Vor dem Auftragen wird das Kraut auf eine heiße Platte gestürzt und mit Kartoffeln und einer Butter- oder Tomatensoße gereicht.

Grundsoße (Buttersoße), weiße

Zutaten: 50 g Butter oder Margarine, 60 g Mehl, 3/4 l Flüssigkeit, wie Fleisch-, Knochen-, Grünsbrühe, Magermilch oder Wasser, Salz, ein Eigelb.

In einem gut glasierten Topfe läßt man Butter oder Margarine kochend, nicht rauchend werden, gibt das Mehl hinein und dämpft es auf schwacher Hitze, es darf aber nicht gelb werden. Alsdann löscht man mit Flüssigkeit ab, gibt das Salz zu und kocht die Soße kurz auf. Beim Anrichten rührt man sie vorsichtig mit Eigelb ab. Wird die Soße mit Fett hergestellt, dann dämpft man vor Zugabe des Mehles 1/2 Eßl. feingeschnittene Zwiebel darin glasig.

Anmerkung: Weckmehl wird aus geriebenen Wecken (schwäbischer Ausdruck für Brötchen) hergestellt. Durch die Herstellungsweise hat es eine andere Oberflächenstruktur (kantig), und entspricht keinesfalls dem Paniermehl (runde Struktur).

Fett ist aus tierischem Eiweiß.

Quelle:
Koch- und Haushaltungsbuch – E. Wundt, A. Rothmund, M. Künzler – bearbeitet A. v. Fleischbein – 25. Auflage – 1960 – Gemeinschaftsverlag Dobler/Braun, Karlsruhe – Seite 294, Nummer 759 und Seite 144, Nummer 289

fertige Bodenplatte

Campus Galli 2016 – Altarplatte und Schärbock


Während die Bodenplatte, auf welche der Altar aufgemauert wird, vollständig fertiggestellt ist, müsssen bei der Altarplatte noch die Seiten und die Phasen (Abschrägung) behauen werden. Dazu war es notwendig die Altarplatte zu drehen.

Hebelgesetz

Hebelgesetz

Da Maschinen nicht vorhanden sind, helfen nur das Hebelgesetz und vier kräftige Männer.

auf der Kippe

auf der Kippe

In mehreren Schritten wird die Altarplatte von der Arbeitshöhe auf die unteren Balken gebracht. Dann wird sie in der Waagrechten auf zwei Hölzern auf einem der Balken gehalten.

auf Strohsäcken

auf Strohsäcken

Vorsichtig wird die Platte auf eine Lage aus Strohsäcken herunter gelassen.

entscheidender Moment

entscheidender Moment

Nun wird die Platte auf die andere Seite gekippt. Erst hinterher wird es sich zeigen, ob die bereits fertigen Kanten bei den Kräfteverhältnissen ausreichend geschützt waren.

umgedreht

umgedreht

Die Platte ist umgedreht, die Kanten haben keinen Schaden genommen, und sie wird zunächst wieder auf die beiden Balken gelegt.

Aufbau

Aufbau

Nach und nach kommen zusätzliche Hölzer unter die Platte bis ….

Arbeitshöhe

Arbeitshöhe

…. diese sich wieder auf der passenden Arbeitshöhe sich befindet.

Hammer und Meißel

Hammer und Meißel

Stück für Stück, mit Hammer und Meißel, später mit dem Beil, nährt sich die Platte ihrem Idealzustand an.

Kontrolle

Kontrolle

Der rechte Winkel wird kontrolliert, die kleinen Unebenheiten werden angezeichnet und danach mit dem Beil beseitigt. Die nächste Seite kann kommen.

Etwas ganz Besonderes erlebten die Besucher an diesem Wochenende bei der Weberinnenhütte.

Schärbock

Schärbock

Auf einem Schärbock, den Hans der Drechsler gebaut hat, wurden durch Brettchenweben die Kettfäden in ein Band eingewebt. Die Kettfäden werden später auf dem Gewichtswebstuhl zu einem Umhang verwebt. Durch das Band ist ein sauberer Rand gewährleistet.

Brettchenweben

Brettchenweben

Die beiden Weberinnen, Heidi und Mechthild, bei der konzentrierten Arbeit. Die Länge der Kettfäden muss gleich sein, die Richtung des Drehens der Brettchen muss stimmen. Informationen zum Brettchenweben findet man hier.

Heuschober

Campus Galli 2016 – Felder und Wiesen


Da auf dem Campus Galli noch keine ausreichende Lagermöglichkeit besteht, wurde in diesem Jahr ein Heuschober errichtet. Mit dem Schober soll der Heuvorrat bis ins nächste Jahr teilweise gesichert werden. Dabei ist der Bau offensichtlich ein kleines Kunstwerk, was man an den im Netz vorhandenen Bauanleitungen erkennen kann. Beim Enstehen des Bilder waren Rafael und Lars-Ole gerade dabei, die Abspannungen vorzunehmen. Später wollten sie noch den oberen Bereich mit Heu auffüllen. Diese Art der Heulagerung ist schon sehr lange bekannt. Interessant für alle Beteiligten wird die Beantwortung der Frage nach dem durch die Witterung entstehenden Verlust sein.

Türkenbundlilie

Türkenbundlilie

Etwas für das Auge ist die Türkenbundlilie. Sie ist eine der einheimischen Lilien und steht unter Naturschutz. Auf dem Campus Galli habe ich sie durch eine aufmerksame Gästeführerin an zwei Stellen entdeckt.

Madonnenlilie

Madonnenlilie

Zwei weitere Arten von Lilien findet man im Kräutergarten, die Schwertlilie und die Madonnenlilie. Die noch blühende Madonnenlilie gilt mit ihrem Weiß als ein Symbol der Reinheit in der christlichen Religion.

Blühender Lein

Blühender Lein

Auf den Feldern wird Lein angebaut, eine der ältesten Kulturpfanzen, die unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten hatte. Sie wurde zur Stoff- und Seilherstellung verwendet und dient heute noch als Heilpflanze.

Färberkamille

Färberkamille

Auf der Blumenwiese entdeckt man immer wieder die Färberkamille mit ihren leuchtend gelben Blüten. Karin, die Schönfärberin, nutzt die Blüten, um die Wolle zu färben. (Die leuchtend blaue Pflanze ist mir unbekannt!).

Bohnenfeld

Bohnenfeld

Bei den Ackerbohnen, später dicke Bohnen, Sau-, Puff- oder Pferdebohnen, handelt es sich um eine sehr alte Form von Hülsenfrüchten, die heute nur noch von regionaler Bedeutung sind. Wie man auf dem Bild erkennen kann, wachsen Klatschmohn und Kamille mittendrin, wenn man es zulässt.

Große Klette

Große Klette

Auf den Feldern habe ich dieses imposante Gewächs entdeckt, hatte aber keinerlei Ahnung um was es sich handelt. Wie man der Bildunterschrift nun erkennen kann, hat sich dies geändert.

Informationen:

Bau eines Heuschobers

Die Türkenbundlilie

Die Madonnenlilie

Der Lein

Die Färberkamille

Dicke Bohnen

Yolanda in Ludwigshafen

Yolanda ist angekommen


Mit Kunst ist oft so eine Sache und mit ihren Verständnis sowieso. Beispielhaft war dies am eigenartigen Hin und Her um die Dame Yolanda der Künstlerin Miriam Lenk in Teilort Bodman der Gemeinde Bodman-Ludwigshafen zu erleben. Ein Ort in welchen zwar eine Straße hinein- aber auf der anderen Seite keine herausführt, ein Ort in welchen an Sommertagen ab Uhr 13.30 Massen von inzwischen ins Alter gekommenen Ein-Tages-Touristen anreisen, ein Ort, der um seine größte Attraktion, die Marienschlucht, im Augenblick beraubt ist, ein Ort, der im Winter eine reduzierte Busverbindung und viele heruntergelassene Rolladen hat, insgesamt also ein Ort der mal was Neues, Mutiges vertragen hätte. Diese Chance bestand im Jahre 2015 als nach einer mehrmonatigen Probezeit im Gemeinderat die Frage beantwortet wurde, ob die Plastik auf Dauer an ihrem Ort am Hafen stehen sollte (Bilder von damals). Der Gemeinderat hat sich schließlich mehrheitlich dagegen entschieden. Die ganze Angelegenheit fand ein breites Echo in der heimischen Presse und mancher Gegner argumentierte in einer Form, die ihm ein hohes Maß an Intoleranz bescheinigte. Beispielhaft sei die Aussage eines Restaurantbesitzers erwähnt, der sich beim kulinarischen Genuss durch Anblick gestört fühlen würde.

geballte Weiblichkeit

geballte Weiblichkeit

Nun scheint es eben inzwischen so, dass nur noch Ideale zählen, Idealmaße, Ebenmäßiges, Glattes, so wie es uns eben allerorten suggeriert wird. Yolanda ist in ihrer prallen Darstellung ein willkommener Gegenentwurf. Die Skulptur hat auf jeden Fall mehr Charme, als die Hintergrund sichtbare Eiswerbung.

„Kunst ist eine wesentliche Ausdrucksform für Gefühle und Gedanken, welche den Menschen bewegen. Kunst ist hierbei weniger das, was Kritiker und Spekulanten für wertvoll und handelbar halten, sondern vielmehr all das, worin der Künstler ein Stück von sich selbst gegeben hat. Sei es ein großes oder ein eher bescheidenes Werk. Es ist immer Ausdruck einer expressiven Schaffenskraft und des Bedürfnisses, sich mitzuteilen“ (Quelle: Artfocus).

.... formvollendet

…. formvollendet

Es ist dem Kunstverein Bodman-Ludwigshafen zu verdanken, dass Yolanda doch noch innerhalb der Gemeinde einen Platz gefunden hat. Und auch der Restaurationsbetrieb, der den Platz zur Verfügung gestellt hat, möge davon profitieren. Es werden sich genügend Besucher mit Yolanda ablichten lassen.

Altarplatte in Bearbeitung

Campus Galli – Altarplatte und Kirchendach


Für einen kurzen Augenblick war ich im Zweifel, ob es sinnvoll ist, innerhalb von zwei Tagen wieder über das Kirchendach zu schreiben. Da die Fortschritte jedoch beeindruckend sind, rechtfertigen diese jedes Wort und jedes Bild. Dies gilt auch für die auf dem Titelbild sichtbare Altarplatte. Jens, der Steinmetz, ist dabei, die vier Seiten glatt zu arbeiten. Er macht dies immer bis zur Hälfte, danach wird die Platte umgedreht und die Arbeit beendet. Zum Schluss erhalten die Seiten im oberen Bereich noch eine Schräge. Die Bodenplatte des Altars ist bis auf ein geplantes Ornament eben fertiggestellt.

Dachlatten - Südseite

Dachlatten – Südseite

Während auf der Nordseite die Dachfläche des Altarraumes vollständig eingedeckt ist, sind auf der Südseite der Großteil der Dachlatten angebracht.

Schindeln decken - Südseite

Schindeln decken – Südseite

Am Sonntagnachmittag gegen Uhr 17.00 waren die Fortschritte auf der Südseite beim Eindecken unübersehbar. Ich frühe mich heute schon auf das nächste Wochenende, um den weiteren Fortgang zu entdecken.

Pentaspastos im Einsatz

Campus Galli 2016 – Das Kirchendach


Wie letzte Woche angekündigt, haben die Zimmerleute, unterstützt von Freiwilligen, damit begonnen, das Dach der Holzkirche mit Schindeln zu decken. Dabei kommt der Holzkran, ein sogenannter Pentaspastos, zum Einsatz. Mit ihm kann einfach in einem Hebevorgang viele Schindeln nach oben transportieren.

Dachdecken - Südseite

Dachdecken – Südseite

Auf der Südseite des Daches ist das Team noch am Anfang.

Dachdecken - Nordseite

Dachdecken – Nordseite

Auf der Nordseite sind die Arbeiten schon weiter fortgeschritten.
Jedes Team besteht aus 4 Personen, einer der das Dach deckt, ein weiterer sorgt auf dem Dach für Nachschub. Die beiden Anderen bringen in jede Schindel auf der behandelten Seite einen kleinen Holznagel in ein gebohrtes Loch ein.
Damit werden die Schindeln an den Dachlatten eingehängt.

Schindeldach - Nordseite

Schindeldach – Nordseite

Es wird eine dreifache Überdeckung der Schindeln durchgeführt, um ganz sicher eine trockene Holzkirche zu haben. Die Dachneigung liegt bei 60 Grad, da man pro Grad Neigung mit einem Jahr Haltbarkeit der Schindeln rechnet.

Zunächst wird auf beiden Seiten nur der Altarbereich gedeckt, damit Jens, der Steinmetz den Altar im Trockenen und bei ausreichender Helligkeit setzen kann.

Es geht vorwärts.