Route Tag 3

Eine Reise nach Mittelschwaben (3)


3. Tag

Krumbach – Kloster Roggenburg – Weißenhorn – Dillingen a.d. Donau – Günzburg – Krumbach

Pünktlich wie vereinbart trafen sich Rita Maria und Joachim um 8.30 Uhr vor ihren Zimmern gegenüber dem Notausgang, um sich zum Frühstück aufzumachen. Joachim schenkte Rita Maria eine weitere Packung Papiertaschentücher, da deren Nase immer noch an die Werbung für den VW-Käfer erinnerte, leicht abgewandelt:“Sie lief und lief“. Das Frühstücksbüfett ließ keine Wünsche offen, und sie hatten erstaunlicherweise einen Tisch für zwei Personen. Sie unterhielten sich unter anderem auch über Vogelpark Walsrode, den Joachim als überaus sehenswert bezeichnete. Rita Maria fragte nach dem genauen Ort, den Joachim nur vage mit in der Nähe von Achim bezeichnen konnte. Ihre niederbayerische Urlaubsbekanntschaft am Nebentisch nannte aber wie aus der Pistole geschossen das passende Autobahnkreuz. Rita Maria und Joachim verabschiedeten sich von dem Paar, dass sich auf die Weiterreise nach Biberach zu einem Kameradschaftstreffen machte. Dann stiegen die beiden ins Auto, manövrierten dieses vom Parkplatz, und machten sich auf den Weg zum ersten Tagesziel.

Nach einer kurzen Fahrt durch sehr ein ländliches Gebiet erreichten Sie die Klosteranlage Roggenburg, ein ehemaliges Reichsstift. Das 1126 gegründet Kloster wurde 1802 aufgelöst, aber seit 1982 hat sich der Prämonstratenserorden neu angesiedelt. Heute beheimatet das Kloster neben einem Bildungszentrum für Familie, Umwelt und Kultur mit Seminar- und Tagungsräumen, Übernachtungsmöglichkeiten, auch einen Klosterladen und Klostergasthof. In der weitläufigen Anlage entdeckten die beiden auch ein Schneckeninformationszentrum mit lebenden Vertretern dieser nicht überall beliebten Spezies, dieses mag jedoch dem Umweltgedanken geschuldet sein.

Kloster Roggenburg mit Klostergarten

Kloster Roggenburg mit Klostergarten

Die beiden spazierten durch die weitläufige Anlage, betraten die Kirche während der Predigt, wodurch keine Bilder möglich waren. Nach ein paar Anstandsminuten begaben sich beiden wieder nach draußen, vorbei an der Speisekarte des Gasthofes, dem gerade öffnenden Klosterladen und strebtem dem Parkplatz zu. Beim Einbiegen auf die Staatsstraße ließ Joachim den Wagen noch einmal etwas zurückrollen, um einer bergan strebenden Radfahrerin die Vorfahrt auf dem Radweg zu gewähren, was Rita Maria zu der Bemerkung veranlasste, dass es doch ewig gereicht hätte. Joachim entgegnete, er hätte sich das freundlichen Zunicken abholen wollen. Rita Maria meinte dies sei ihm zuteil geworden. Nach dem kleinen verbalen Geplänkel fuhren sie dem nächsten Tagesziel entgegen.

Nach ein paar Minuten waren sie in Weißenhorn und fanden direkt links vom historischen Stadttor einen Parkplatz.

Weißerhorn - Stadttor

Weißerhorn – Stadttor

Die beiden schritten durch das Tor und fanden sich in einer pittoresken Kleinstadt wieder. Enge Strassen, alte Häuser, teilweise mit Renovierungsstau, schmale Gässchen und ein kleiner Bach. Hinsichtlich der notwendigen Renovierungen vermutete Rita Maria, dass manchmal einfach die Auflagen des Denkmalamtes zu hoch seien, sodass die Gebäude lieber dem Verfall preisgegeben würden.

Straßenbild Weißenhorn

Straßenbild Weißenhorn

Rathaus und Museum - Weißenhorn

Rathaus und Museum – Weißenhorn

Nachdem die beiden durch kleine Gässchen und Seitenstraßen den Großteil des Ortes erkundet hatten, warfen die noch einen schnellen Blick in die Kirche, um danach zum Abschluss das Stadtschloss der Fugger zu betrachten. Im Augenblick werden im Schloss und auf dem Vorplatz Renovierungsarbeiten durchgeführt.

Fuggerschloss - Weißenhorn

Fuggerschloss – Weißenhorn

Wieder im Auto wünschte sich Rita noch eine Fahrt durch die 30er-Zone, um auch den scheinbar neueren Teil des Ortes kennen zu lernen. Auffallend war nur, wie bisher in allen Städten oder Dörfern, die Vielzahl der Gasthäuser, kleinen Brauereien und Cafes, entweder gibt es noch eine lebendige Wirtshauskultur oder es ist, wie Rita Maria vermutete, der Vielzahl der Radler geschuldet. Zum Erreichen ihres nächsten Zieles wählten sie zum ersten Mal eine Autobahn, nämlich die A7.

Von der A7 kommend, Aussagen des Navis ignorierend, folgten sie dem Schild Stadtmitte und landeten in Lauingen anstatt wie gewünscht in Dillingen an der Donau. Dieser Fauxpas wäre keiner Erwähnung wert, hätte Rita nicht bei rot die Fußgängerampel überquert, wodurch sich die beiden durch eine im Straßencafe sitzende Männergruppe einen lautstarken Rüffel einhandelten. Nachdem die beiden feststellten, dass am Ort in ihrem Bereich wenig interessantes zu entdecken war, überquerten sie erneut die Straße außerhalb der Sichtweite der „Aufpasser“ und fuhren nach Dillingen an der Donau. In der Stadt angekommen, wählten eine Ringstraße, und entdecken an einem Donaualtarm den letzten Parkplatz. Hier folgten die beiden der Beschilderung in Richtung Wehr.

Donau bei Dillingen

Donau bei Dillingen

Auf dem Wehr angekommen, bot sich den beiden eine reizvolle Flusslandschaft dar. Das Wehr besitzt an der linken Uferseite eine Schleuse für kleine Boote. Die beiden machten sich auf den Rückweg, entdeckten, dass sie einem alten Trimm-Dich-Pfad folgten, und fuhren Richtung Altstadt.

Schloß Dillingen

Schloß Dillingen

Das Dillinger Schloß diente den Fürstbischöfen, die aus dem lutherischen Augsburg „vertrieben“ wurden, viele Jahrzehnte als Residenz. In dieser Zeit nahmen sie eine Vielzahl von Umbauten vor, so errichten sie auch das Torhaus, welches ihnen einen direkten Zugang zur Stadt schuf.

Torhaus - Schloß Dillingen

Torhaus – Schloß Dillingen

Heute dient das Schloß als Amtsgericht und Finanzamt, beherbergt in der Anlage die Sparkasse und ein Restaurant. Die repräsentativen Räume werden zu Empfängen, Vernissagen etc. genutzt.

Es war ca. 13.45 Uhr als sich bei Rita Maria der legendäre kleine Hunger meldete und es sie nach einem kleinen Salätchen gelüstete. Es war Feiertag, also fielen alle möglichen Fleischtheken aus, und der zuerst besuchte Gasthof mit Biergarten wollte im 14.00 Uhr seine Pforten schließen.

Dillingen - Altstadt

Dillingen – Altstadt

Die Pizzeria fand keine Gnade vor Rita Marias Augen, und der Grieche auf der rechten Seite im ersten Stock kurz vor dem Tor teilte den beiden mit, dass er auch ab 14.00 Uhr geschlossen habe. Als sie dann wieder durch das Tor schritten, auf dem gegenüber liegenden Platz ein reines Cafe entdeckten, fiel Joachim ein, dass sie an einem Kebap vorbeigekommen waren. Als er dies Rita Maria kund tat, bezweifelte jene seine Ortskenntnis, folgte ihm aber dann doch ohne größeren Widerstand. Bei Kebap angekommen, entsahn sich Rita Maria, dass sie beim vorherigen Vorbeikommen von einer Frau gegrüsst worden waren. Sie bestellte einen Kebap mit allem aber wenig Fleisch zum Mitnehmen, Joachim ebenso, aber mit der üblichen Portion Fleisch. Das Verständnis von wenig war aber bei dem türkischen Mitbürger anders ausgeprägt als bei Rita Maria. Nachdem die beiden noch verneint hatten, dass sie Ortsansässige seien, machten sie sich mit Kebap und Servietten bewaffnet auf die Suche nach einem angenehmen Sonnenplatz. Sie wurden auf der Eingangstreppe eines Lehrerseminars fündig und verspeisten in der Sonne sitzend mit großem Vergnügen den ausgezeichneten Kebap. Die auf der Treppe entstandenen Kleckereien beseitigten die beiden mittels der Servietten. So gestärkt machten sich die beiden auf, den auch in diesem Ort vorhandenen goldenen Saal (zwischen 12.00 und 14.00 Uhr geschlossen) zu besichtigen.

Dillingen - Goldener Saal

Dillingen – Goldener Saal

Das Erklimmen hatte sich gelohnt und die beiden nahmen Platz, um die Pracht auf sich wirken zu lassen. Sie befanden sich im Kongregationssaal, der zwischen 1761 und 1764 seine prunkvolle Form erhielt. Der Saal war die Aula der 1549 gegründet „Hohen Schule“, die 1563 durch Papst Pius zur Universität erhoben wurde. Dillingen wurde unter der Führung des Jesuitenorden eines der Zentren der Gegenreformation. Die Universität wurde 1803 aufgelöst, heute ist die Akademie für Lehrerfortbildung in den Räumen untergebracht. Die wunderbaren Deckenfresken beschreiben religöse (Maria) und universitäre Themen (die einzelnen Fakultäten). Aber auch der Stadt selbst ist ein Fresko gewidmet. Ein Saal zum Genießen, darüber waren sich die beiden einig. Danach machten sich die beiden zum Auto auf, um vorbei an Baggerseen, kleinen Dörfern, die nächste Station ihrer Tagestour zu erreichen.

Günzburg - Altstadt

Günzburg – Altstadt

Auch in Günzburg stand den beiden das Glück zur Seite, nicht nur das sie den letzen Parkplatz direkt vor der Altstadt ergatterten, inzwischen herrschte auch Kaiserwetter. So erkundeten die beiden dann die Altstadt, der sehr viel geschäftiger war als die anderen besuchten an diesem Tage. Auch fielen die Vielzahl der Radler einem ins Auge. Nachdem Rita Maria sich noch ein großes Eis leistete, was bei ihrer Figur sicher problemlos ist, verzichtet Joachim genau aus diesem Grund darauf. Danach machten sich beiden auf den Rückweg nach Krumbach.

Am Hotel angekommen, übersahen sie leider den Parkplatz direkt vor dem Eingang, und parkten das Auto rund 50 m in der nächsten Querstraße. Da die beiden noch etwas zu früh waren zum Abendessen, dass man entweder um 18.30 Uhr oder um 19.30 Uhr einzunehmen hatte, besuchten sie noch mal den Stadtpark, um auf einer Parkbank die Sonne zu genießen. Zur passenden Zeit fanden sich die beiden dann im Gastraum ein, um an einer langen Tafel Platz zu nehmen. Wohlweislich wählten sie den Platz am Ende, um so nur mit einem Nachbarn konfrontiert zu sein. Die Tafel füllte sich nach und nach, wobei ein Pärchen sich strikt weigerte, den zugewiesenen Platz einzunehmen. An diesem Abend kamen die beiden in kein Gespräch mit den Tischnachbarn, die beiden Damen waren zu sehr mit sich und ihren Beziehungsproblem beschäftigt. Nachdem obligatorischen Salatbüfett wurde der Hauptgang bestehend aus zwei Scheiben Kassler und Kartoffelsalat mit Gurken serviert. Dieser Hauptgang erreichte leider nicht die Qualität der beiden Vortage, vor allem der Salat war gewöhnungsbedürftig. Die Nachspeise mousse au chocolat wurde sehr originell in einem kleinen Blumentopf serviert. Eine tolle Idee leider getrübt durch die Tatsache, das die Küche auch auf dem dritten Dessert eine Art von dunklen Kecksbrösel verwendete. Zum Abschluss erhielten die beiden also das am wenigsten befriedigende Abendessen, was ihrer lebhaften Unterhaltung keinen Abbruch tat. Im Rahmen dieser Gespräche kam es zu einem fast philosophisch anmutenden Disput zum Thema „vertreten bzw. beharren auf gefällten Entscheidungen“. Rita Maria vertrat dabei die These von Konrad Adenauer: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“. Dem widersprach Joachim mit einer unvollständigen Rezitation des Gedichts „Das Schnitzel“ von Eugen Roth, da er die Ansicht vertrat, dass jeder, also auch Rita Maria, immer wieder eigene Entscheidungen verteidigt wider besseren Wissens. So endete ein Tag auf eine vergnügliche Art.

Informationen

Vogelpark Walsrode

Der Prämonstratenserorden

Das Kloster Roggenburg

Die Fuggerstadt Weißenhorn

Die Stadt Dillingen an der Donau

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