Route Tag 2

Eine Reise nach Mittelschwaben (2)


2. Tag

Krumbach – Augsburg und zurück

Der zweite Tag begann mit freundlichem Sonnenschein und einem guten Frühstücksbüfett. Für Joachim, der normalerweise nicht frühstückt, eine interessante Erfahrung. Um 8.00 Uhr begannen die beiden ihren ausgiebigen Genuss, um sich dann um kurz nach 9.00 Uhr auf den Weg zum Busbahnhof zu machen. Joachim hatte sich noch gemerkt, dass sie am Toilettenwagen vorbei müssen, den Berg hinab, auf der rechten Seite „Maier“ links liegen lassen, am Restaurant Delphi vorbei, rechts die kleine Anhöhe hoch zur letzten Bushaltestelle. Zeitlich im Prinzip kein Problem, da die Abfahrt um 9.35 Uhr erfolgen sollte. Sie verließen das Hotel, Rita Maria meinte die Stufen hinab und wider besseren Wissens folgte Joachim ihr. Am Fuße der Treppe entdeckte Rita Maria die Poststelle und war der Meinung dies sei einer guter Zeitpunkt, das mitgeführte Päckchen an die Freundin nach Dachau zu senden. Joachim befragte, nervös die Uhr betrachtend, zwischenzeitlich einen Kellner, der die Gartenwirtschaft herrichtete, nach dem Weg zum Bahnhof. Dieser teilte mit, er sei neu hier und hätte keine Ahnung. Die Zeit schritt voran, Rita Maria erschien wieder und nach der erneuten Befragung eines des Weges kommenden Pärchens war klar, sie gingen in die völlig falsche Richtung. Also umkehren immer der Straße nach, am Maier und Delphi vorbei, hastend, Joachim inzwischen keuchend, die Bushaltestelle rechtzeitig erreicht. Sie bestiegen den Bus, wählten logischerweise einen Vierersitz, Rita Maria in Fahrtrichtung und Joachim gegenüber. Sie stellten fest, außer Ihnen, kannte jeder Jeden im Bus. Nach wenigen Stationen verabschiedet sich der Busfahrer begleitet von besten Grüßen einer Mitreisenden an Ludmilla. Ein neuer Busfahrer nahm mit einem klaren „Grüß Gott“, das allenthalben erwidert wurde, die Position ein. Die Fahrt ging weiter durch eine ländliche Idylle immer wieder unterbrochen durch kleine Dörfer mit völlig überdimensionierten Kirchen. Rita Maria stellte dabei fest, dass die Vegetation hier etwas hinterher sei. Irgendwann mitten auf der Strecke fragte der Busfahrer, ob jemand zum Bahnhof nach G.. muss, da keine Rückmeldung erfolgte, stellte er lapidar fest, dann fahren wir nicht hin. Joachim überlegte, dass der Begriff Bedarfshaltestelle erstmals einen Sinn für ihn ergab, und er hoffte, dass am fraglichen Bahnhof keiner auf den Bus wartete. Im Rahmen der angegebenen Fahrzeit erreichten sie Augsburg, nach einigen Stop- und Go-Phasen schließlich auch den Hauptbahnhof. Sie erkundeten direkt die möglichen Rückfahrtzeiten. Rita Maria fragte Joachim, ob er sich diese merken könne, was ein gewisses Befremden auslöste. Dieser dachte bei sich, ob die mich inzwischen für senil hält?
Nach der morgendlichen Erfahrung informierten sie sich an einer Infotafel, folgten dann der Bahnhofstraße bis zum Königsplatz und landeten in der Fußgängerzone. Vorbei an einem sehr flachen Brunnen mit einer Frauenfigur bogen sie in die Annastraße ein, um durch ein Tor St.-Anna-Kirche zu betreten, nicht wissend auf welchem kirchenhistorischen Grund sie sich befanden. St. Anna war die Kirche eines 1321 gegründeten Karmeliterklosters, im Jahre 1518 wohnte Martin Luther im Kloster, das später im Rahmen der Reformation evangelisch wurde.

Altar St. Anna

Altar St. Anna

Links vom Altar kann man zwei Portraits erkennen, Martin Luther und Philipp Melanchthon.

Orgel St. Anna

Orgel St. Anna

Rita Maria erkundete eine Treppe, die in den ersten Stock führte und so landeten die beiden ohne genauere Kenntnisse im Museum Lutherstiege, in welchem man einen eindringlichen Überblick über Entwicklungen der Reformationsgeschichte erhält. Besonders beeindruckend ist es, dem Verhör von Martin Luther durch den päpstlichen Gesandten Kardinal Cajetan zu lauschen. In Rede und Gegenrede weigert sich Luther seine 95 Thesen zu widerrufen (lat. „Revoco“ = Ich widerrufe), wobei er sich immer wieder auf die alleinige Gültigkeit der Schrift beruft. Das Verhör fand im Fuggerpalais statt. Nach seinem endgültigen Bekenntnis zu seinen Thesen war Luther gezwungen, bei Nacht und Nebel zu fliehen. Rita Maria hielt die Thesen, die in einen Raum lesbar sind, für durchaus vernünftig. Ein Tipp für Besucher, nehmt den Eingang zum Museum vor der Kirche nicht den in der Kirche, dass wurde den beiden durch einen Wissenden später mitgeteilt. Nun verließen die beiden St. Anna, folgten der Annastraße in der Erwartung an deren Ende vor dem Rathaus zu sein. Dies war ein Irrtum, also musste eine weitere Infotafel, dieses Mal der Verkehrsbetriebe, helfen. Mit dem Durchqueren der Steingasse landeten die beiden dann auf dem Rathausplatz.

Brunnen Rathausplatz

Brunnen Rathausplatz

In der Maximillianstraße, der Prachtstraße von Augsburg, gibt es drei wunderbare Renaissancebrunnen, die große Kunstwerke darstellen. Hier am Augustusbrunnen sieht man in Hintergrund des verhüllte Rathaus, das im Augenblick renoviert wird.

Perlachturm

Perlachturm

Links vom Rathaus befindet sich der Perlachturm, dessen Ursprünge bis ins 10. Jahrhundert zurückreichen. Seine momentane Höhe erhielt er zwischen 1614 und 1616. Die beiden verzichteten die 70 m hohe Aussichtsplattform zu erklimmen.

Was die beiden aber keinesfalls verpassen wollten, war der die Besichtigung des goldenen Saals im Rathaus. Dieser wurde 1624 errichtet und soll einer der beeindruckendsten Versammlungsräume in Deutschland sein.

goldener Saal

goldener Saal

Beeindruckend ist hier noch untertrieben. Bei der Touristinfo erlangte Rita Maria einen Stadtplan, was das Erreichen der weiteren Ziele deutlich vereinfachte.
Die beiden folgten der Maximillianstraße vorbei an den Fuggerhäusern, die heute immer noch eine Bank beherbergen, und dem Damenhof, einem Kleinod der deutschen Renaissance.

Herkulesbrunnen

Herkulesbrunnen

Beim Herkulesbrunnen bogen sie nach rechts in den Garten des Schaezler-Palais ab, wo einige Menschen offensichtlich ihre Mittagspause in der Sonne genossen.

Garten Schaezler-Palais

Garten Schaezler-Palais

Das Palais beherbergt bedeutenden Kunstsammlungen, u.a. Albrecht Dürers Porträt von Jacob Fugger der Reiche.

Weltpolitische Bedeutung erlangte Augsburg durch den Religionsfrieden vom 25. September 1555, der die Existenz der beiden Konfessionen im heiligen römischen Deutscher Nationen ermöglichte. Augsburg und Frieden sind ein besonderes Thema, den die Stadt feiert am 8. August seit 1648 ein Friedensfest, dessen Ursprünge auf auf das Ende des 30-jährigen Krieges und der damit verbundenen Unterdrückung der Protestanten zurückgehen. Da der Feiertag ein gesetzlicher ist, ist Augsburg die Stadt mit den meisten Feiertagen.

Ein schönes Beispiel des kirchlichen Nebeneinander ist die evangelische Kirche St. Ulrich an deren Rückseite sich die spätgotische, katholische Basilika St. Ulrich und Afra anschließt.

Basilika St. Ulrich und Afra

Basilika St. Ulrich und Afra

Nach soviel Historie gelüstete die beiden nach etwas ganz Profanem und sie tauchten ein in ihre Jugendzeit. Die Welt von Jim Knopf, Urmel auf dem Eis, der Löwe ist los und vielem anderen erwachte zu neuem Leben beim Besuch „Der Kiste“.

Eingang - Puppentheater

Eingang – Puppentheater

Ein ganz tolles Museum fanden die beiden, vor allem Rita Maria nutzte immer wieder Möglichkeit in separaten Räumen Fernsehgeschichte wieder zu erleben.

Mittels Karte bewegten sich die beiden nun Richtung der Fuggerei, und genossen den Weg durch kleine Gassen abseits jeglichen Trubels.

Häuserzeile - Fuggerei

Häuserzeile – Fuggerei

Die Fuggerei ist die älteste Sozialsiedlung der Welt und 1521 durch Jakob Fugger der Reiche für Bedürftige gestiftet. Die Jahreskaltmiete entspricht dem Wert eines Rheinischen Guldens, also € 0,88. Der gleiche Betrag wird jährlich für den Pfarrer fällig, andere Kosten werden nach Aufwand berechnet. Daneben muss jeder Bewohner pro Tag drei Gebete für den Stifter und dessen Familie sprechen, da das Ave Maria dabei ist, sind die Bewohner katholischen Glaubens. Die Gebete können in der eigenen Kirche gemeinsam oder allein in der Wohnung erfolgen, eine Einhaltung der Vereinbarung wird nicht überprüft. Die Anlage hat ein Museum und einen Weltkriegsbunker, in welchen die Zerstörung im zweiten Weltkrieg und der unverzügliche Wiederaufbau dokumentiert sind. Eine Musterwohnung kann ebenfalls besichtigt werden. Joachim stellte dabei fest, es gibt sicher viele schlechtere Wohnungen. Die Sozialsiedlung wird immer noch durch eine Stiftung finanziert und in gewissen Maße auch durch die Eintrittsgelder. Sie ist weltweit beispielhaft und verdeutlicht wie Jakob Fugger der Reiche seiner Zeit weit voraus war.

Das letzte Ziel der beiden war der Augsburger Dom, der auf den Resten eines karolingischen Baus errichtet wurde, von welchem die Krypta erhalten ist. Die vermutliche Bauzeit liegt zwischen 995 und 1004.

Eingangsbereich - Mariendom

Eingangsbereich – Mariendom

Wie auf der Turmuhr gut zu erkennen, war es kurz nach 15.00 Uhr und Rita Maria überkam der kleine Hunger. So gingen die beiden zurück zum Stadtmarkt, um die Möglichkeit eines kleinen Salätchens zu erkunden. Der Stadtmarkt erinnert mit seinen ständigen, verschließbaren Ständen stark an die Märkte an der französischen Mittelmeerküste. Allein die Gelüste nach Salat konnten nicht befriedigt werden. Aus diesem Grund nahmen die beiden dann, unter einem Baum auf dem Königsplatz sitzend, einen ordinären Fleischkäswecken zu sich. Zum Glück führt Rita Maria immer Mineralwasser mit sich, so konnte auch Joachim den einsetzenden Durst unverzüglich bekämpfen.

Die beidem beschlossen dann, die Rückfahrt um 17.10 Uhr anzutreten und nicht wie geplant eine Stunde später. Diese Entscheidung erwies sich als richtig, da im Feierabendverkehr der Bus immer mehr Verspätung aufbaute. Die Rückfahrt glich der Hinfahrt, alle kennen sich und intensive Unterhaltungen mit dem Busfahrer sind Usus. Einen Unterschied fand dann doch noch statt, sie bogen ab, um an einer Bedarfshaltestelle eine junges Mädchen aussteigen zu lassen. Bei den Haltestellen fiel den beiden noch auf, es waren immer ganz weite Wege bis in jeweilige Dorf oder Gehöft.

Sie erreichten Krumbach mit einer Verspätung von rund 20 Minuten, und machten sich auf, das stattfindende Fest zu besuchen. Der Besucherandrang war überaus überschaubar mit Ausnahme des Verpflegungsstandes der Metzgerei ihres Hotels. Nach einem kurzen Aufenhalt im Zimmer begaben sich die beiden zum Abendessen, wobei sie bei einem neuen Pärchen Platz zu nehmen hatten. Das Abendessen bestehend aus Salatbüfett, Putengeschnetzeltem mit Reis und einem Dessert war ausgezeichnet. Leicht ermattet ob der zurückgelegten 14 km (lt. Schritte-App von Rita Maria) und der Menge an Nahrung begaben sich die beiden zu Bett. Ihr nächstes Date war am Folgetag um 8.30 Uhr beim Frühstück.

Informationen

Die Stadt Augsburg

Der Augsburger Religionsfrieden

Die Familie Fugger

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2 Gedanken zu „Eine Reise nach Mittelschwaben (2)

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