Route Tag 1

Eine Reise nach Mittelschwaben (1)


1. Tag

Stockach – Pfullendorf – Bad Saulgau – Biberach – Laupheim – Illertissen – Krumbach (Schwaben)

Wenn zwei Personen, einer männlichen Geschlechtes im zarten Alter von 60, der andere Teil eine Dame, deren Alter ein Tabu bildet, eine gemeinsame Reise machen, gibt es einiges zu berichten. Nun waren die beiden, nach Aussage der Dame vor hundert Jahren, mal liiert, wodurch dem Unterfangen nach landläufiger Meinung mit einer gewissen Skepsis zu begegnen war. Sätze wie „das ist aber nicht normal“ waren im Vorfeld vielfach zu hören. Offensichtlich sprengt diese Verhaltensweise immer noch bestehende Konventionen. Unverdrossen jedoch nahmen die beiden, ich nenne sie Rita Maria und Joachim, ihr Ziel in Angriff. Ihr fahrbarer Untersatz zeigte ein ihrem Alter entsprechendes Verhalten, er kam langsam auf Touren, aber dann war er kaum zu halten. Weniger feinfühlige Zeitgenossen würden formulieren: „Die Karre hat unten raus keinen Dampf“.
Bei heiterem Wetter starteten die beiden ihre Überlandfahrt durch eine hüglige Landschaft, anfangs immer wieder unterbrochen durch mittlere Kleinstädte, später zusehends nur noch mit dörflichem Charakter versehen. Rechtzeitig, gegen Uhr 12.30, erreichten sie Illertissen. Rechtzeitig in dem Sinne, dass Rita Maria in einem festgelegtem Rhythmus, abhängig von den Zeitpunkt der Einnahme des Frühstücks, der kleine Hunger überfällt. Sie möchte in diesen Momenten einen kleinen Salat zu sich nehmen. Dieser Umstand wird uns die nächsten Tage noch begleiten. Joachim fand mitten in der Innenstadt einen Parkplatz und die beiden machten sich auf, eine geeignete Gaststätte zu finden, um die angedachte Kleinigkeit zu sich zu nehmen. Nach wenigen Schritten nahmen die beiden an einem von der Sonne beglückten Tische Platz und harrten der Bedienung. Es stellte sich aber heraus, hier gilt selbst ist die Frau oder der Mann. Rita Maria empfand das als unpassend und so landeten die beiden, angezogen von liebevollen Ausschmückung, im abgebildeten Etablissement.

Der Eindruck täuscht

Der Eindruck täuscht

Doch der äußere Schein trog, die gewählten Gerichte waren drastisch formuliert einfach mies. Joachim wählte Allgäuer Käsespätzle, bei welchen der Salat fade, die Spätzle eher Knöpfle waren und zudem im Fett schwammen. Beim Hinausgehen entdeckte Rita Maria, dass das Restaurant vom Michelin empfohlen wird. Irgendwie beschlich sie der Gedanke nicht nur die Römer spinnen, sondern auch die Gallier. Daneben regte sich in ihnen der furchtbare Verdacht, dass die allgegenwärtigen Gießkannen allein dazu dienten, ahnungslose Touristen in begossene Pudel zu verwandeln.

Nun machten sich die beiden auf den für Joachim etwas beschwerlichen Aufstieg zum Schloss.

Das Zwiegespräch

Das Zwiegespräch

Im Eingangsbereich scheint es so, als ob Rita Maria sich in einem Zwiegespräch mit der Blechpuppe befindet. Aber manchmal trügt der Schein. Leider war das im Schloss beheimatete Museum wegen Umbauarbeiten geschlossen, und die anderen Räume dienten der Abhaltung für irgendwelchen Seminaren im EDV-Bereich. Ein Blick durch das Fenster in den Saal war den beiden zumindest vergönnt.

Schloß Illertissen - Innenhof

Schloß Illertissen – Innenhof

Nach einem verletzungsfreien Abstieg beschlossen die beiden sich nun unverzüglich auf den Weg nach Krumbach zu machen, zumal dunkle Wolken nichts Gutes verhießen. Mittels eines Navi`s glaubten die beiden problemlos ans Ziel ihrer Wünsche, sprich ein 3*** Hotel mit Metzgerei zu gelangen. Unglücklicherweise beendete jedoch ein Toilettencontainer, aufgestellt mitten auf der Straße für das Fest am Folgetag, ihre schnelle, erfolgreiche Ankunft. Nachdem sie dann ein paar mal ums Viereck gefahren waren, landeten sie vor dem Hotel und ergatterten einen der letzten Parkplätze. An der Rezeption angekommen dämmerte es dem Wirt erstmals, dass die beiden gemeinsam reisten, was eine hektische Umbuchung seinerseits zur Folge hatte. Nachdem er den beiden einen Hotelpass im DIN A6-Format erklärt hatte, wies er Joachim noch darauf hin, dass das Zimmer klein sei, und wenn es nicht passt, er ein anderes haben könnte. Nun erklommen die beiden die Treppe in den ersten Stock, um ganz am Ende die Zimmer 19 und 20 zu beziehen. Über Ritas Zimmer soll an dieser Stelle der Mantel des Schweigen gehüllt werden, nur soviel sei verraten, es folgte im Anschluss an die Reise eine geharnischte Beschwerde an den Reiseveranstalter. Joachims Zimmer war zwar klein aber in Ordnung. Den Heizstrahler über dem Waschbecken, der bei längerem Aufenthalt einem sicher die Haare vom Kopf brennt, hatte er anfangs noch nicht entdeckt. Was beiden Zimmern zu eigen war, der freie Blick in den Innenhof auf die dort geparkten Fahrzeuge.
Nachdem sich der erste Schock gelegt hatte, machten sich die beiden auf, noch vor dem Abendessen die Schönheiten des Ortes zu erkunden. Es wurde ein schwieriges Unterfangen. Der Ort war nicht hässlich, er war nicht schön, er war nur langweilig. Das schönste Motiv, die Kirche mit dem kleinen Fluss davor, scheiterte am eingerüsteten Kirchturm. Nachdem sie einige Straßenzüge durchquert hatten, entdeckten sie zufällig das Schild Bahnhof (0,8 km). Da sie am Folgetag die Stadt Augsburg mit der Bahn, wie Internet angepriesen, aufsuchen wollten, kam dieser Hinweis überaus passend. Wie bei so vielem an diesem Tag erwies sich der gewählte Weg jedoch als eine Sackgasse. Sie folgten dem Weg an einem Bach entlang und landeten dann wieder auf einer viel befahren Straße ohne jegliches weiteres Hinweisschild. In der Straße gegenüber entdeckte Joachim am Ende ein Gebäude mit offiziellem Anschein, dies suchten sie auf, um den Stadtsaal zu entdecken. Doch das Glück ward ihnen hold, hinter dem Saal war ein Schienenstrang zu entdecken. Die Wahl der Richtung lag nun bei 50%, um die Chancen zu erhöhen, schritten sie zu den Schienen und reckten die Köpfe nach links und rechts, allein es war nichts zu entdecken. Über den großen Platz hinweg jedoch war ein Straßenschild zu sehen mit einem Hinweis in einem weißen Feld, das könnte die Rettung sein. Leider galt der Hinweis besagtem Stadtsaal von welchen sie eben kamen. Durch glückliche Fügung hatten die beiden jedoch den Busbahnhof gefunden. Es gab einen Bus nach Augsburg, Linie 600, und fuhr zu christlicher Zeit Uhr 9.35 und war nach 1 ¼ Stunden in Augsburg, der Preis von € 10,50 für Hin- und Rückfahrt pro Person empfanden beide als human. Da für Rita eine Zugfahrt jedoch mit mehr Charme verbunden war, erkundigte sie sich bei einer Wartenden nach den Zugfahrten nach Augsburg. Die Frau beschied ihr, das würde es nicht geben, nur mit dem Bus sei die Reise möglich. Dies erschien den beiden zweifelhaft und sie machten sich auf den Rückweg, gingen logisch vor, statt abzubiegen, folgten sie der Straße geradeaus. Nach einigen hundert Metern entdeckten sie das ersehnte Hinweisschild mit den Buchstaben DB. Dort angekommen, rückten sie dem Fahrkartenautomaten zu Leibe. Nach einigen Eingaben erhielten sie von ihm den überraschenden Reisepreis von € 76.– für zwei Personen genannt. Ein zufällig anwesender Lokführer betrachtete sie aus seinem Führerhaus, sicherlich mit einem breiten Lächeln. Als ihn Rita dann nach den Verbindungen nach Augsburg befragte, erfuhr sie, dass man zuerst nach Mindelheim muss, um dort in den Zug nach Augsburg umzusteigen. Die Fahrzeit entspräche inwetwa der des Busses. Die beiden hielten, auch Anbetracht des unsicheren Preisgefüges, eine Fahrt gen Süden um dann nach Norden zu gelangen für etwas eigenartig. Also war eine Busfahrt beschlossene Sache.
Auf dem Rückweg zum Hotel wollten sie dann noch den wohl gepriesene Stadtpark erkunden. Naja, ein Lichtblick war das moderne Mühlrad angetrieben durch den Kammel, dass den Strom für fünf Haushalte liefert. Über eine Treppe vorbei an der verschlossenen Kirche gelangten sie zurück zu ihrer Herberge.
Als dann begaben sie sich in freudiger Erwartung zum Abendessen. In der Gaststube wurde ihnen beschieden, dass sie mit einem anderen Pärchen den Tisch zu teilen hätten. Sie hatten Glück, der Niederbayer aus Deggendorf gehörte zu den Gesprächigen, hatte auch drei Übernachtungen gebucht. Die Zimmersituation fand auch er bescheiden. Durch seinen früheren Beruf bei der Bundespolizei kannte er die ganze Republik und es entwickelte sich eine amüsante Unterhaltung. Da das Abendessen, bestehend aus Maultaschensuppe oder Salat vom Büfett, Rinderbraten in Rotweinsauce mit Spätzle und einem Nachtisch, ausgezeichnet war, fand der Tag einen versöhnlichen Abschluss. Leicht ermattet erreichten die beiden gegen Uhr 21.15 ihre Zimmer, um sich für den nächsten Morgen um Uhr 8.00 zum Frühstück zu verabreden. Fortsetzung folgt.

Informationen:
Die Stadt Illertissen

Die Stadt Krumbach

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