Archiv für den Monat Mai 2016

Die Weberinnen - Mechthild und Silke

Campus Galli 2016 – Die Weberinnen


In der letzten Saison wurde die Hütte der Weberinnen nach und nach fertig gestellt. Bei der Bauweise orientierte man sich an den Vorgaben von Haithabu, einer ehemaligen Handelsmetropole der Wikinger nordwestlich vom heutigen Kiel.

Weberinnenhütte 2015

Weberinnenhütte 2015

In der laufenden Saison hat die Hütte noch ihre Tür erhalten, der Gewichtswebstuhl wurde aufgebaut und der Besucher erhält kompetente Auskünfte durch die Weberinnen. Selbst dem Verfasser war, noch mehren Erläuterungen und Vorführungen, das Grundprinzip des Webstuhls klar.

Gewichtswebstuhl

Gewichtswebstuhl

Bevor die Wollfäden auf dem Webstuhl verarbeitet werden können, sind eine Vielzahl von Arbeitsschritten notwendig. Beginnend mit der Schur, der Reinigung und manchmal dem Färben finden Arbeitsvorgänge statt, die in einem weiteren Artikel ihre Beachtung finden sollten.

Spinnen mit der Handspindel

Spinnen mit der Handspindel

Bevor die Wolle ein Wollfaden wird, muss sie gesponnen werden. Da das Spinnrad noch nicht erfunden war, wird eine Handspindel genutzt. Neben einer langfaserigen Wolle ist Erfahrung und ein gewisses Geschick notwendig. Die Kunst dabei ist, einen relativ gleichmäßigen Faden zu produzieren, wobei die ständig drehende Spindel die Zwirnung fördert.

gesponnene Wolle

gesponnene Wolle

Bei dem augenblicklich entstehenden Webstück werden unterschiedliche Farben verwendet, die die Färberei liefert.

Das Weben

Das Weben

Beim Gewichtswebstuhls handelt es sich um einen senkrecht stehenden Webstuhl, bei dem die Kettfäden durch Gewichte nach unten gezogen werden. Dabei werden immer mehrere Kettfäden mit einem Gewicht verbunden. Die Gewichte sind aus gebrannten Ton und sehen wie „Donats“ aus. Eine einfache Beschreibung wie Weben funktioniert findet man hier.

Die durchgeführte Köperbindung, daneben gibt es noch die Leinenbindung, verständlich zu erklären, würde die Fähigkeiten des Autors übersteigen. Wer es nicht von den Weberinnen des Campus Galli erklären lassen kann oder möchte, die unten angegebenen Informationsmöglichkeiten helfen beim Verständnis.

Aus dem Webstück soll ein Umhang entstehen.

Informationen:

Museum Haithabu

Informationen zur Weberhütte (Campus Galli)

Spinnen mit der Handspindel

Der Gewichtswebstuhl

Die Köperbindung

Mitarbeitende am 27. Mai 2016

Campus Galli 2016 – Tolles Bild


Am Freitag, 27. Mai 2016, versammelten sich fast alle Mitarbeitenden – Festangestellte, Freiwillige, Teilnehmer vom Werkstättle und Mutpol- für ein Gruppenphoto. Nur die Damen von Kasse, Museumsshop und Küche fehlten. Eine tolle Momentaufnahme, die wegen einer Bachelorarbeit möglich wurde.

Anpassen der Dachsparren

Campus Galli 2016 – Holzarbeiten im Mai (2)


Das Titelbild zeigt wie die beiden Dachsparren im Verbindungsbereich angepasst werden. Die gewählte Art der Verbindung, genauer Art der Verplattung, kann ich leider nicht benennen.

Sparrenbearbeitung

Sparrenbearbeitung

Auf diesem Bild erkennt man, dass die Verplattung eine Schräge hat. Daran werden die Profis die gewählte Art erkennen. Interessant finde ich, dass auch hier alle Arbeitsschritte mit einer Axt erfolgen.

Bei der Ausfachung des Ostgiebels ist man von der Gesamtfertigstellung nach Maß am Boden abgekommen. Es hat sich herausgestellt, dass dabei immer noch sehr viele Anpassungen vor Ort im jeweiligen Gefach durchgeführt werden müssen. Nun arbeiten sich zwei Mann, Andreas und der Wandergeselle Samuel, langsam von Gefach zu Gefach, wobei sie fertiggestellte Rohlinge vor Ort anpassen.

Nut ziehen

Nut ziehen

Hier erkennt man wie Michael in die radial gespaltenen Bohlen auf der breiten Seite die Nut einzieht. Sie sollte etwas über zwei Finger tief sein, damit auch beim erwarteten Schwund durch das Trocknen die Wände dicht bleiben. Bei radial gespaltetem Holz geht man von einem Schwund bis zu 5% aus.

Am gestrigen Donnerstag (Feiertag) erlebte der Campus Galli einen wahren Besucheransturm. Ab 11.00 Uhr war der Parkplatz so gefüllt, dass ein Einweiser und die Nutzung aller weiteren Parkmöglichkeiten wie Wiesen, Wirtschaftswege und den Parkplatz an der Straße nach Langenhart notwendig machten.

Erste Ausfachung

Campus Galli 2016 – Holzarbeiten im Mai


Bei strahlendem Sonnenschein war es gestern soweit, das obere Dreieck des Ostgiebels hat seine erste Ausfachung aus Spaltbohlen mittels Nut und Feder erhalten.

Holzkirche Mai 2016

Arbeiten an Holzkirche

Daneben wurde das erste Sparrenpaar auf den Dachstuhl gelegt, und die notwendigen Verbindungen angerissen und angebracht. Danach dient dieses Paar als Muster für die weiteren 15 Paare, die dann auf dem Abbundplatz fertiggestellt werden.

Spaltbohlen

Spaltbohlen

Bei diesen Spaltbohlen, die immer an Kuchenstücke erinnern, fehlt noch die Nut. Die genaue Anpassung der Länge, der Winkel und auch oberen und unteren Führungen erfolgen mit der Gestellsäge.

Aktionstag Schmiede

Aktionstag Schmiede

Auch für den Neubau der Schmiede wurden Spaltbohlen grob behauen, um dann auf dem Dach und an der einen Rückwand in Einkerbungen eingefügt zu werden. Bei einem Aktionstag und der der damit verbundenen Bündlung der Kräfte ist man ein gutes Stück weitergekommen.

neue Schmiede

neue Schmiede

Im linken Feld auf dem Dach ist die Baumrinde schon eingebracht. Sie dient als Dachpappe. Alle Bohlen sind aus Fichtenholz.

Route Tag 4

Eine Reise nach Mittelschwaben (4)


4. Tag

Krumbach (Schwaben) – Münsingen – Obermarchtal – Radolfzell – Stockach

Zum letzten Mal bei dieser Reise trafen sich die beiden zum gemeinsamen Frühstück. Joachim hatte in seinem Moleskine (Notizbuch), ein Geschenk seiner Arbeitskollegen zum 60. Geburtstag, das Gedicht von Eugen Roth notiert. Was in Zeiten von WLAN ja keine Schwierigkeit war.

Das Schnitzel

Ein Mensch, der sich ein Schnitzel briet
Bemerkte, dass ihm das mißriet
Jedoch, da er es selbst gebraten
Tat er, als wär es ihm geraten
und, um sich nicht selbst strafen Lügen
Isst er´s mit herzlichem Vergnügen.

Rita Maria meinte nach der Lektüre, nun wisse sie endlich, was Männer in diesem Büchern stehen hätten, eigenartige Wortgebilde eben. Während des Frühstücks bemerkte Rita Maria, dass sie sich nun seit 25 Jahren kennen würden. Dies veranlasste Joachim zum bewundernden Ausruf: „Da sieht man mal, was Männer alles aushalten!“. Rita Maria bemerkte dazu nur lakonisch, es wäre an der Zeit, dass sie ihn wieder zu Hause abgebe. Nach diesem überaus erquicklichen Wortgefecht holten die beiden ihr Gepäck, gaben die Schlüssel zurück und Rita Maria war erstaunt, dass sie keine Kurtaxe zu entrichten hatten. Die Wirtin teilte Ihnen mit, sie wären doch kein Kurort, was genau betrachtet, ja auch nicht sein konnte. Die beiden gingen zum Auto und machten sich auf eine gemütliche Überlandfahrt in Richtung Kloster Obermarchtal.

Da den beiden die Strecke irgendwann durch die Besuche der Stadt Ulm bekannt war, hatte das Navi seinen Dienst getan. Trotzdem bog Joachim versehentlich nach Untermarchtal ab. Der Ort erschien den beiden bescheiden, aber da ein Verkehrsschild mit dem Hinweis – Münsingen/Donau 2 km – auftauchte, fuhren sie einfach weiter.

Junge Donau bei Münsingen

Junge Donau bei Münsingen

Landschaftlich liegt Münsingen sehr reizvoll, das alte Städtchen hat man aber relativ schnell erkundet.

Seitengasse Münsingen an der Donau

Seitengasse Münsingen an der Donau

Als die beiden dann den Ort wieder verließen und Richtung Obermarchtal fuhren, fiel Rita Maria ein, dass sie hier schon einmal im Gasthaus Rose übernachtet hatte. Es war eine gute Unterkunft auf dem Donauradweg gewesen.

Als sie Obermarchtal erreichten, hatten sie bei der Parkplatzsuche wie immer Glück in diesen Tagen und stellten das Auto in der Nähe des Klostereinganges ab. Im Ort fand offensichtlich ein Oldtimer-Treffen statt. Die Fahrzeuge hatten zwar alle vier Räder, jedoch waren die hinteren sehr eng beieinander. Auf einem der Fahrzeug war der Name Morgan zu lesen.

Kloster Obermarchtal

Kloster Obermarchtal

Die Klosteranlage ist imposant und doch zugleich wiederum zurückhaltend. Es ist eine Realschule untergebracht, und es gibt einen getrennten Bereich zur Unterbringung von Seminarteilnehmern.

Klosterkirche Obermarchtal

Klosterkirche Obermarchtal

Auch die Klosterkirche ist für katholische Verhältnisse eher schlicht. Atemberaubend ist der Blick auf die Stromschnellen der Donau.

Blick vom Kloster Obermarchtal

Blick vom Kloster Obermarchtal

Nun fuhren die beiden gemütlich über Land Richtung Bodensee. Als Joachim bei Herbertingen vorschlug noch die Heuneburg zu besichtigen, stieß er bei Rita Maria auf keine Gegenliebe. Nach einigen Kilometern wurde der Grund offensichtlich, der kleine Hunger machte sich langsam bemerkbar. Da sich auf der Strecke keine geeignete Gaststätte fand, beschlossen die beiden bis nach Radolfzell zu fahren. Hier gab es in der Seestraße das Altstadtcafe Seekatze, das durchgehend warme Küche hat und in welchem sie schon mehrfach gut gespeist hatten. Aus dem obligatorischen Salätchen wurde bei Joachim Schnitzel, Pommes und Salat und bei Rita eine Salatplatte mit Schweineschnitzel. So gestärkt verbrachten sie danach noch einige Zeit am Wasser.

Radolfzell - Bodensee

Radolfzell – Bodensee

Nun ließen die beiden die letzten Tage noch einmal Revue passieren und waren sich einig, dass es tolle Tage mit einer Vielzahl von wunderbaren Eindrücken, gelungenen Momenten gewesen seien. Sie viel Neues erfahren hätten. In Bayern heißen Landstraßen eben Staatsstraßen meinte Joachim, wohl dem, der glaubt es zu haben. Sie fuhren nach Stockach und verabschiedeten sich, mit der gegenseitigen Versicherung in Kontakt zu bleiben.

Anmerkung: Der Verfasser der Berichte hat sich kurz überlegt, dass man im Prinzip aus diesen beiden Protagonisten einen ganzen Roman machen könnte. Nur Phantasie wäre noch notwendig.

Informationen
Kloster Obermarchtal

Die Heuneburg

erste Spaltbohlen

Campus Galli 2016 – Fortschritte an der Holzkirche


In der Pfingstwoche haben sich die Fortschritte beim Bau der Holzkirche summiert. Inzwischen sind 22 von insgesamt 32 Dachsparren fertig. Die Menge der produzierten Dachlatten erhöht sich täglich, der Schindelmacher hat inzwischen rund 10.000 Schindeln fertiggestellt. Seid dem Pfingstsonntag ist Hans, der Drechsler, dabei, die ersten Spaltbohlen für die Ausfachung des Ostgiebels zu erstellen. Dazu hat er, wie auf dem Titelbild sichtbar, die Maße mittels einer Schnurr auf dem Boden dargestellt.

Werkbank - Anschlag

Werkbank – Anschlag

Um die Tätigkeit effizient zu gestalten, haben die Zimmerleute eine Art Werkbank gebaut, die auf der einen Seite einen Anschlag besitzt. Der Anschlag ist allein durch Holzverbindungen befestigt.

Werkbank - Knebel

Werkbank – Knebel

Die Spaltbohlen, die immer die Form eines Kuchenstücks haben, werden in den vorhandenen Spalt gesteckt und mittels des Knebels fixiert. Die Werkbank ist eine sehr einfache aber überaus hilfreiche Konstruktion.

Spaltbohlen - Produktion

Spaltbohlen – Produktion

Mit der Gestellsäge werden die einzelnen Bohlen auf das richtige Maß gesägt.

Spaltbohlen - Nut und Feder

Spaltbohlen – Nut und Feder

Sobald das oberste Dreieck des Ostgiebels fertiggestellt ist, wird es verbaut. Dies sollte am Pfingstmontag gegen Abend geschehen. Der Besucher wird also in den nächsten Wochen den Fortschritt der Ausfachung am Ostgiebel der Kirche erleben können.

Route Tag 3

Eine Reise nach Mittelschwaben (3)


3. Tag

Krumbach – Kloster Roggenburg – Weißenhorn – Dillingen a.d. Donau – Günzburg – Krumbach

Pünktlich wie vereinbart trafen sich Rita Maria und Joachim um 8.30 Uhr vor ihren Zimmern gegenüber dem Notausgang, um sich zum Frühstück aufzumachen. Joachim schenkte Rita Maria eine weitere Packung Papiertaschentücher, da deren Nase immer noch an die Werbung für den VW-Käfer erinnerte, leicht abgewandelt:“Sie lief und lief“. Das Frühstücksbüfett ließ keine Wünsche offen, und sie hatten erstaunlicherweise einen Tisch für zwei Personen. Sie unterhielten sich unter anderem auch über Vogelpark Walsrode, den Joachim als überaus sehenswert bezeichnete. Rita Maria fragte nach dem genauen Ort, den Joachim nur vage mit in der Nähe von Achim bezeichnen konnte. Ihre niederbayerische Urlaubsbekanntschaft am Nebentisch nannte aber wie aus der Pistole geschossen das passende Autobahnkreuz. Rita Maria und Joachim verabschiedeten sich von dem Paar, dass sich auf die Weiterreise nach Biberach zu einem Kameradschaftstreffen machte. Dann stiegen die beiden ins Auto, manövrierten dieses vom Parkplatz, und machten sich auf den Weg zum ersten Tagesziel.

Nach einer kurzen Fahrt durch sehr ein ländliches Gebiet erreichten Sie die Klosteranlage Roggenburg, ein ehemaliges Reichsstift. Das 1126 gegründet Kloster wurde 1802 aufgelöst, aber seit 1982 hat sich der Prämonstratenserorden neu angesiedelt. Heute beheimatet das Kloster neben einem Bildungszentrum für Familie, Umwelt und Kultur mit Seminar- und Tagungsräumen, Übernachtungsmöglichkeiten, auch einen Klosterladen und Klostergasthof. In der weitläufigen Anlage entdeckten die beiden auch ein Schneckeninformationszentrum mit lebenden Vertretern dieser nicht überall beliebten Spezies, dieses mag jedoch dem Umweltgedanken geschuldet sein.

Kloster Roggenburg mit Klostergarten

Kloster Roggenburg mit Klostergarten

Die beiden spazierten durch die weitläufige Anlage, betraten die Kirche während der Predigt, wodurch keine Bilder möglich waren. Nach ein paar Anstandsminuten begaben sich beiden wieder nach draußen, vorbei an der Speisekarte des Gasthofes, dem gerade öffnenden Klosterladen und strebtem dem Parkplatz zu. Beim Einbiegen auf die Staatsstraße ließ Joachim den Wagen noch einmal etwas zurückrollen, um einer bergan strebenden Radfahrerin die Vorfahrt auf dem Radweg zu gewähren, was Rita Maria zu der Bemerkung veranlasste, dass es doch ewig gereicht hätte. Joachim entgegnete, er hätte sich das freundlichen Zunicken abholen wollen. Rita Maria meinte dies sei ihm zuteil geworden. Nach dem kleinen verbalen Geplänkel fuhren sie dem nächsten Tagesziel entgegen.

Nach ein paar Minuten waren sie in Weißenhorn und fanden direkt links vom historischen Stadttor einen Parkplatz.

Weißerhorn - Stadttor

Weißerhorn – Stadttor

Die beiden schritten durch das Tor und fanden sich in einer pittoresken Kleinstadt wieder. Enge Strassen, alte Häuser, teilweise mit Renovierungsstau, schmale Gässchen und ein kleiner Bach. Hinsichtlich der notwendigen Renovierungen vermutete Rita Maria, dass manchmal einfach die Auflagen des Denkmalamtes zu hoch seien, sodass die Gebäude lieber dem Verfall preisgegeben würden.

Straßenbild Weißenhorn

Straßenbild Weißenhorn

Rathaus und Museum - Weißenhorn

Rathaus und Museum – Weißenhorn

Nachdem die beiden durch kleine Gässchen und Seitenstraßen den Großteil des Ortes erkundet hatten, warfen die noch einen schnellen Blick in die Kirche, um danach zum Abschluss das Stadtschloss der Fugger zu betrachten. Im Augenblick werden im Schloss und auf dem Vorplatz Renovierungsarbeiten durchgeführt.

Fuggerschloss - Weißenhorn

Fuggerschloss – Weißenhorn

Wieder im Auto wünschte sich Rita noch eine Fahrt durch die 30er-Zone, um auch den scheinbar neueren Teil des Ortes kennen zu lernen. Auffallend war nur, wie bisher in allen Städten oder Dörfern, die Vielzahl der Gasthäuser, kleinen Brauereien und Cafes, entweder gibt es noch eine lebendige Wirtshauskultur oder es ist, wie Rita Maria vermutete, der Vielzahl der Radler geschuldet. Zum Erreichen ihres nächsten Zieles wählten sie zum ersten Mal eine Autobahn, nämlich die A7.

Von der A7 kommend, Aussagen des Navis ignorierend, folgten sie dem Schild Stadtmitte und landeten in Lauingen anstatt wie gewünscht in Dillingen an der Donau. Dieser Fauxpas wäre keiner Erwähnung wert, hätte Rita nicht bei rot die Fußgängerampel überquert, wodurch sich die beiden durch eine im Straßencafe sitzende Männergruppe einen lautstarken Rüffel einhandelten. Nachdem die beiden feststellten, dass am Ort in ihrem Bereich wenig interessantes zu entdecken war, überquerten sie erneut die Straße außerhalb der Sichtweite der „Aufpasser“ und fuhren nach Dillingen an der Donau. In der Stadt angekommen, wählten eine Ringstraße, und entdecken an einem Donaualtarm den letzten Parkplatz. Hier folgten die beiden der Beschilderung in Richtung Wehr.

Donau bei Dillingen

Donau bei Dillingen

Auf dem Wehr angekommen, bot sich den beiden eine reizvolle Flusslandschaft dar. Das Wehr besitzt an der linken Uferseite eine Schleuse für kleine Boote. Die beiden machten sich auf den Rückweg, entdeckten, dass sie einem alten Trimm-Dich-Pfad folgten, und fuhren Richtung Altstadt.

Schloß Dillingen

Schloß Dillingen

Das Dillinger Schloß diente den Fürstbischöfen, die aus dem lutherischen Augsburg „vertrieben“ wurden, viele Jahrzehnte als Residenz. In dieser Zeit nahmen sie eine Vielzahl von Umbauten vor, so errichten sie auch das Torhaus, welches ihnen einen direkten Zugang zur Stadt schuf.

Torhaus - Schloß Dillingen

Torhaus – Schloß Dillingen

Heute dient das Schloß als Amtsgericht und Finanzamt, beherbergt in der Anlage die Sparkasse und ein Restaurant. Die repräsentativen Räume werden zu Empfängen, Vernissagen etc. genutzt.

Es war ca. 13.45 Uhr als sich bei Rita Maria der legendäre kleine Hunger meldete und es sie nach einem kleinen Salätchen gelüstete. Es war Feiertag, also fielen alle möglichen Fleischtheken aus, und der zuerst besuchte Gasthof mit Biergarten wollte im 14.00 Uhr seine Pforten schließen.

Dillingen - Altstadt

Dillingen – Altstadt

Die Pizzeria fand keine Gnade vor Rita Marias Augen, und der Grieche auf der rechten Seite im ersten Stock kurz vor dem Tor teilte den beiden mit, dass er auch ab 14.00 Uhr geschlossen habe. Als sie dann wieder durch das Tor schritten, auf dem gegenüber liegenden Platz ein reines Cafe entdeckten, fiel Joachim ein, dass sie an einem Kebap vorbeigekommen waren. Als er dies Rita Maria kund tat, bezweifelte jene seine Ortskenntnis, folgte ihm aber dann doch ohne größeren Widerstand. Bei Kebap angekommen, entsahn sich Rita Maria, dass sie beim vorherigen Vorbeikommen von einer Frau gegrüsst worden waren. Sie bestellte einen Kebap mit allem aber wenig Fleisch zum Mitnehmen, Joachim ebenso, aber mit der üblichen Portion Fleisch. Das Verständnis von wenig war aber bei dem türkischen Mitbürger anders ausgeprägt als bei Rita Maria. Nachdem die beiden noch verneint hatten, dass sie Ortsansässige seien, machten sie sich mit Kebap und Servietten bewaffnet auf die Suche nach einem angenehmen Sonnenplatz. Sie wurden auf der Eingangstreppe eines Lehrerseminars fündig und verspeisten in der Sonne sitzend mit großem Vergnügen den ausgezeichneten Kebap. Die auf der Treppe entstandenen Kleckereien beseitigten die beiden mittels der Servietten. So gestärkt machten sich die beiden auf, den auch in diesem Ort vorhandenen goldenen Saal (zwischen 12.00 und 14.00 Uhr geschlossen) zu besichtigen.

Dillingen - Goldener Saal

Dillingen – Goldener Saal

Das Erklimmen hatte sich gelohnt und die beiden nahmen Platz, um die Pracht auf sich wirken zu lassen. Sie befanden sich im Kongregationssaal, der zwischen 1761 und 1764 seine prunkvolle Form erhielt. Der Saal war die Aula der 1549 gegründet „Hohen Schule“, die 1563 durch Papst Pius zur Universität erhoben wurde. Dillingen wurde unter der Führung des Jesuitenorden eines der Zentren der Gegenreformation. Die Universität wurde 1803 aufgelöst, heute ist die Akademie für Lehrerfortbildung in den Räumen untergebracht. Die wunderbaren Deckenfresken beschreiben religöse (Maria) und universitäre Themen (die einzelnen Fakultäten). Aber auch der Stadt selbst ist ein Fresko gewidmet. Ein Saal zum Genießen, darüber waren sich die beiden einig. Danach machten sich die beiden zum Auto auf, um vorbei an Baggerseen, kleinen Dörfern, die nächste Station ihrer Tagestour zu erreichen.

Günzburg - Altstadt

Günzburg – Altstadt

Auch in Günzburg stand den beiden das Glück zur Seite, nicht nur das sie den letzen Parkplatz direkt vor der Altstadt ergatterten, inzwischen herrschte auch Kaiserwetter. So erkundeten die beiden dann die Altstadt, der sehr viel geschäftiger war als die anderen besuchten an diesem Tage. Auch fielen die Vielzahl der Radler einem ins Auge. Nachdem Rita Maria sich noch ein großes Eis leistete, was bei ihrer Figur sicher problemlos ist, verzichtet Joachim genau aus diesem Grund darauf. Danach machten sich beiden auf den Rückweg nach Krumbach.

Am Hotel angekommen, übersahen sie leider den Parkplatz direkt vor dem Eingang, und parkten das Auto rund 50 m in der nächsten Querstraße. Da die beiden noch etwas zu früh waren zum Abendessen, dass man entweder um 18.30 Uhr oder um 19.30 Uhr einzunehmen hatte, besuchten sie noch mal den Stadtpark, um auf einer Parkbank die Sonne zu genießen. Zur passenden Zeit fanden sich die beiden dann im Gastraum ein, um an einer langen Tafel Platz zu nehmen. Wohlweislich wählten sie den Platz am Ende, um so nur mit einem Nachbarn konfrontiert zu sein. Die Tafel füllte sich nach und nach, wobei ein Pärchen sich strikt weigerte, den zugewiesenen Platz einzunehmen. An diesem Abend kamen die beiden in kein Gespräch mit den Tischnachbarn, die beiden Damen waren zu sehr mit sich und ihren Beziehungsproblem beschäftigt. Nachdem obligatorischen Salatbüfett wurde der Hauptgang bestehend aus zwei Scheiben Kassler und Kartoffelsalat mit Gurken serviert. Dieser Hauptgang erreichte leider nicht die Qualität der beiden Vortage, vor allem der Salat war gewöhnungsbedürftig. Die Nachspeise mousse au chocolat wurde sehr originell in einem kleinen Blumentopf serviert. Eine tolle Idee leider getrübt durch die Tatsache, das die Küche auch auf dem dritten Dessert eine Art von dunklen Kecksbrösel verwendete. Zum Abschluss erhielten die beiden also das am wenigsten befriedigende Abendessen, was ihrer lebhaften Unterhaltung keinen Abbruch tat. Im Rahmen dieser Gespräche kam es zu einem fast philosophisch anmutenden Disput zum Thema „vertreten bzw. beharren auf gefällten Entscheidungen“. Rita Maria vertrat dabei die These von Konrad Adenauer: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“. Dem widersprach Joachim mit einer unvollständigen Rezitation des Gedichts „Das Schnitzel“ von Eugen Roth, da er die Ansicht vertrat, dass jeder, also auch Rita Maria, immer wieder eigene Entscheidungen verteidigt wider besseren Wissens. So endete ein Tag auf eine vergnügliche Art.

Informationen

Vogelpark Walsrode

Der Prämonstratenserorden

Das Kloster Roggenburg

Die Fuggerstadt Weißenhorn

Die Stadt Dillingen an der Donau