Archiv für den Monat April 2015

Campus Galli: Die Baumtruhe – Tresor des Mittelalters


Zu allen Zeiten und an allen Orten hatten die Menschen das Bedürfnis manche Dinge vor dem Zugriff von Unbefugten zu schützen. Nun haben die drei Zimmermänner des Campus Galli, Andreas, Daniel und Michael, die ersten selbst geschmiedeten Äxte von hoher Qualität erhalten, die bei anderen offensichtlich einen „Probiermodus“ auslösten. Das war für die Äxte keinesfalls von Vorteil, da die Handhabung einige Narben hinterließ, die die Besitzer in mühevoller Arbeit und mit Einsatz eines Schleifsteines wieder beheben mussten.
Was sollte man tun?
Man entschloss sich einen Werkzeugkiste zu bauen, einen Tresor sozusagen, für die sichere Verwahrung der Objekte der Begierde. So wurde ein geeignetes Eichenholz ausgesucht, mit Keilen ein Deckel abgetrennt, mit der Axt behauen, mit dem Dechsel ausgehöhlt und mit Ziehmesser die Feinarbeit verrichtet. Das Ergebnis der Rohbau einer Baumtruhe.

Baumtruhe - Zimmermansarbeit

Baumtruhe – Zimmermansarbeit

Danach war der Schmied gefordert, um die notwendigen Verstärkungen, Bänder und einen Schließmechanismus anzubringen. Den Öffnungstest nach dem Anbringen ersten Bandes bestanden Kiste und Schmied mit Bravour.

Baumtruhe - offen

Baumtruhe – offen

Inzwischen hat die Baumtruhe ihre drei wunderbar geschmiedeten Bänder, und wird immer mehr durch Handwerkskunst zu einem echten Schmuckstück.

Baumtruhe - mit drei Bändern

Baumtruhe – mit drei Bändern

Über Baumtruhen

Die Einbaumtruhe

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Fachwerk Holzkirche

Campus Galli: Kirche und Weberinnenhütte


Momentan sind die Handwerker im Campus Galli bestrebt so schnell wie möglich ihren ersten Kran fertigzustellen. Der Kran ist so konstruiert, dass er immer wieder auseinandergebaut werden kann, und damit an unterschiedlichen Stellen zum Einsatz kommen kann. Zunächst wird er benötigt, um die Dachkonstruktion auf das bestehende Fachwerk der Holzkirche zu bringen. Bei der Holzkirche handelt es sich um den Vorgängerbau des späteren Klosters.

Eichenlager für die Haspel

Eichenlager für die Haspel

In jeden Schenkel des Krans wird ein zweiteiliges Eichenlager eingebracht. Die Führung für die Haspel, die ebenfalls aus Eiche ist, fehlt auf dem Bild noch. Eichenholz wird deswegen verwendet, weil es widerstandsfähiger ist als andere Holzarten.

Haspel

Haspel

Für die Haspel wurde zunächst mit der Axt ein viereckiger Balken gehauen, der danach mit Axt und Breitbeil auf eine achteckige Form gebracht wurde. Mit dem Ziehmesser erhält er dann seine endgültige Rundung.

Rolle für den Flaschenzug

Rolle für den Flaschenzug

Gleichzeitig ist der Drechsler dabei, die benötigten Rollen für den Flaschenzug herzustellen. Das abgebildete Exemplar ist noch nicht tief genug und wird, da es aus Roteiche ist, als Demonstrationsobjekt enden. Die Breite der Seilführung beträgt zwei Finger nach dem Maß karolingischer Fuß, dies entspricht rund 4 cm.

behauene Steine

behauene Steine

In Werkstatt der Steinmetze entstehen viereckige Steine, die je nach Qualität für den Altar, die Eingangstreppe oder die Rampe ihre Verwendung finden werden.

Auch am zweiten momentan im Bau befindlichen Gebäude, der Weberinnenhütte, sind die Fortschritte deutlich sichtbar. Ein Großteil des notwendigen Weidengeflechts für die Lehmwände ist bereits eingebracht.

Weberinnenhütte mit Weidengeflecht

Weberinnenhütte mit Weidengeflecht

Im Bereich der Eingangstüre und rechts hinten, sind die unterlegten Steine sichtbar, die diese Zwischenräume verschließen.

Aus Omas Küche: Kirschplotzer (dicker Kirschkuchen)


Da die Kirschenzeit nicht mehr unendlich weit weg ist, hier ein Rezept des Lieblingskuchen aus meiner Jugend. Die beste Umsetzung, die ich jemals genossen habe, erhielt man im Café Licht in der Hauptstraße in Stockach.

Zutaten: 150 g Butter, 180 g Zucker, 5-6 Eier, 180 g geröstetes, geriebenes Schwarzbrot, 150 g geriebene Mandeln, Hasel- oder Walnüsse (nach Geschmack), 1/16 l Wein, 3 Eßl. Kirschwasser, 1 Messerspitze Zimt und 1 1/4 kg feste, schwarze Kirschen.

Unter die schaumig gerührte Butter gibt man den Zucker und das Eigelb, rührt das erneut schaumig und mengt Mandeln, Gewürz, das mit Wein und Kirschwasser angefeuchtete Schwarzbrot und die Kirschen mit dem steifen Eischnee unter.
Die erhaltene Masse füllt man in eine gestrichene Tortenform von 26 cm Durchmesser und bäckt sie in mittlerer Hitze 1 Stunde.

Das Café Licht gibt es zu meinem Bedauern seit sicher 30 Jahren nicht mehr.

Quelle: Koch- und Haushaltungsbuch, E. Wundt, A. Rothmund, M. Künzler, überarbeitet A. v. Fleischbein, 25. Auflage, 1960, Gemeinschaftsverlag Dobler/Braun, Karlsruhe, Seite 464,
Nr. 1338

Campus Galli – Impressionen bei den Zimmerleuten


Jeder, der morgens um kurz vor 10.00 Uhr auf Parkplatz des Campus Galli aus dem Auto steigt, jeder, der um 13.00 Uhr oder um 14.00 Uhr irgendwo auf dem Gelände ist, jeder, der um 18.00 Uhr durch das Tor das Gelände wieder verlässt, hört die lauten Töne, die durch das Schlagen der Tabula am Marktplatz entstehen.

Die Tabula

Die Tabula

Auffallend ist, dass Andreas, der die Tabula schlägt, sofern er nicht frei hat, offensichtlich unterschiedliche Schlagvariationen benutzt. Der Zisterzienserritus definiert dazu einige genaue Vorgaben. Ob sich Andreas nach diesen richtet, sollte man ihn bei Gelegenheit fragen.

Im Winter hat der Schmied die ersten Äxte geschmiedet, wahre Kunstwerke und alle drei etwas unterschiedlich nach Größe oder Gewicht. Aber für drei Zimmerleute, Andreas, Daniel und Michael, war jeweils eine ihren Vorlieben entsprechende Axt dabei.

Axt schäften

Axt schäften

Daniel verwendet viel Fingerspitzengefühl mit dem Ziehmesser, um den Schaft der Axt so zu bearbeiten, dass er gut in der Hand liegt und auch genau in das Haus der Axt passt. Aufgrund von vorhandenen Zeichnungen sind die Zimmerleute dazu übergegangen, das Schäften von unten durchzuführen. Sie sind der Ansicht, dass dies früher so gemacht wurde. Außerdem lassen Axt und Schaft so viel schneller trennen, was u.a. beim Schleifen von Vorteil ist.

Das Gestell des geplanten ersten Krans ist fertiggestellt. Wie man sieht wurden die einzelnen Teile mit der Axt behauen. Auch die Schwalbenschwänze bei den drei Querstreben, die zur Verbindung mit den Schenkeln dienen, wurden nur mit der Axt bearbeitet.

Das Krangestell

Das Krangestell

Zwischen den beiden unteren, größeren Streben werden auf beiden Seiten zwei übereinander liegende Schwalbenschwänze aus Eichenholz eingebracht. Diese werden jeweils halbseitig eine Aussparung haben, in welche dann die Haspel aus Eichenholz eingepasst wird.

Weiterführende Links

Schlagbretter im Mittelalter

Holzhütte der Weberinnen

Thementag Holz im Campus Galli


An diesem Osterwochenende ging es auf der Meßkircher Klosterbaustelle hauptsächlich um das Thema Holz. Am weitesten fortgeschritten ist dabei die neue Hütte der Weberinnen, die gegenüber den Schönfärberinnen errichtet wird. Der Rohbau wird von Zimmermannsgesellen auf der Walz aufgebaut. Für das Dach ist der Schindelmacher dabei ca. 3.000 Schindeln herzustellen, die Wände bekommen ein Weidengeflecht, dass mit einer Lehm-, Strohmischung abgedichtet wird. Für die Besucher wird eine Seite offen bleiben, damit man bei der Arbeit am Webstuhl zuschauen kann.
Auf dem Abbundplatz haben die Zimmerleute begonnen eine Hebevorrichtung nach dem Vorbild des römischen Architekten Vitruv (siehe unten weiterführender Link) zu erbauen.

Balkenbearbeitung - Kerben schlagen

Balkenbearbeitung – Kerben schlagen

Der Kran besteht aus vier Holzbalken, die wie ein „A“ verbunden werden, wobei in die Schenkel zwei Querbalken in unterschiedlicher Höhe eingefügt werden.

Die Schenkel des Krans

Die Schenkel des Krans

Mit dieser Hebevorrichtung werden dann die Einzelteile des Dachstuhls der Holzkirche nach oben gehoben, und dort mit einer gleichen Vorrichtung aufgerichtet. Es sind zwei Krane notwendig, da das Dach mit einer Neigung von 60% eine alleinige Höhe von ca. 8 m hat. Das Aufstellen zu erleben, wird sicher eine spannende Angelegenheit.

Rohbau Holzkirche

Rohbau Holzkirche

Hier sieht man den Rohbau der Holzkirch noch mit provisorischen Schutzdach aus dem Winter.

Außerdem gab es am Sonntagnachmittag eine beeindruckende Vorführung zum Thema „Holzrücken mit Ochsen und Kaltblütern“ durch den Pferdefuhrbetrieb Uwe Link, was ich wegen des überaus frischen Windes verpasst habe.

Rekonstruktionszeichung eines Baukrans nach Vitruv