Archiv für den Monat Oktober 2014

Campus Galli – ein besonderer Augenblick


Am Sonntag, 2. November 2014, endet die diesjährige Saison im Campus Galli. Und es scheint, als wollten alle Mitarbeiter noch einmal einen richtigen Schlussspurt zeigen, um so den letzten Besuchern etwas Besonderes zu bieten. An einem Sonntag im April entstand das Bild, drei Mann, einer gräbt mit einem Holzspaten, die andere bringen den lehmigen Aushub weg.

Campus Galli - Graben für das Fundament

Graben für das Fundament – Campus Galli


Der Graben für das Fundament der Holzkirche entsteht.

Dann wird eine Drainage aus Steinen gelegt, die das Wasser in eine Zisterne hinter dem Ostgiebel der Kirche leitet. Wegen des vielen Regens musste dann im Sommer noch einmal ein 25m langer Graben in den Wald gelegt werden, da die Zisterne nicht alles Wasser aufnehmen konnte.

In wochenlanger Arbeit haben dann die Steinmetze ein 80cm hohes Fundament aus heimischen Kalkstein und Mörtel errichtet. Da dieser Kalkstein nicht frostsicher ist, mussten die Mauern verputzt werden. Dies geschah, um den Bauvorschriften des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden, damit nach Fertigstellung Besucher auch in das Gebäude dürfen.

Am 29. Oktober gegen 16.00 Uhr war es dann soweit, durch den Einsatz aller verfügbaren Kräfte, Angestellte und sehr viele Freiwillige, senkte sich der Schwellbalken des Ostgiebels auf das Fundament. Selbstverständlich passten die gebohrten Löcher genau auf die Eisenbänder, die zur zusätzlichen Fixierung der Balken dienen (auch eine Bauvorschrift).

Campus Galli -Schwellbalken Ostgiebel

Campus Galli -Schwellbalken Ostgiebel

Es war ein langer Anlauf bis zu diesem Moment, und voller Stolz genossen die Handelnden ihren eigenen Applaus.

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mittelalterliches Notizbuch

Die Wachstafel


Wie so oft sind es immer wieder die Kleinigkeiten, das fast Übersehene, mit denen sich eine erstaunliche Geschichte verbinden lässt. Beim Zeidler (alter Begriff für Waldimker) im Campus Galli ist das abgebildete mittelalterliche Notizbuch zu finden. Es besteht aus Holzbrettchen, in dessen Vertiefung ein Bienenwachs-Harz-Gemisch, das mit Holzkohle schwarz gefärbt ist, eingebracht wird. Auf der glatt gespachtelten Fläche lassen sich nun mit einem Griffel aus Holz oder Metall Notizen einritzen. Zum löschen oder korrigieren von Notizen benutze man das spachtelförmige Ende des Griffels. Werden, wie auf dem Bild dargestellt, zwei Holztäfelchen verbunden, nennt man dies Diptychon. Sehr große mit vielen bis DIN A3 großen Holztafeln hießen Polypticha ecclesiastica, und dienten u.a. zum Führen der Listen von Verstorbenen. Der Begriff „tabula rasa“ steht für geglättete Tafel, die neu verwendet werden kann(siehe Redensarten-Index).
Diese Form der „Datenspeicherung“ ist seit der Antike bekannt.

Quelle Wachstafel
Interessantes zum Zeidler

Campus Galli – ein Kreuz auf Wanderschaft


ein Kreuz auf dem Weg

ein Kreuz auf dem Weg

Am späten Vormittag war es soweit, das Kreuz der Holzkirche verließ seinen provisorischen Standort. Wie man sieht waren viele Hände notwendig, um es in die gemauerte Vertiefung gleiten zu lassen. Dort steht es nun, von zwei Schwalben gehalten, während die Steinmetze den Altar darum mauern. So wurde eine weitere Etappe am Bau erreicht, und jeder der dabei war, wird in vielen Jahren so sagen können, ich habe es damals gesehen. Denn dieses „Dabeisein“ macht das Besondere aus, dieses Sehen, wie eine Idee wächst, ist der Charme dieses Projektes. Dies wird ihm immer neue Besucher bringen und „Dagewesene“ zu Wiederholungstätern machen.

ein Kreuz am Platz

ein Kreuz am Platz

Dechsel und Kreuzaxt

Handwerk zum Anfassen – Zimmermann


Allen Anfeindungen in den einschlägigen Foren zum Trotz, erlebt man immer mehr Wissbegierige an den einzeln Arbeitsstellen im Campus Galli, der sich innerhalb der ersten ganzen Saison zu einem Hort der hohen Kunst des Handwerkes entwickelt hat. Auf dem Abbundplatz enstehen in Augenblick die Schwellbalken, West- und Ostgiebel sowie die Seitenwände der geplanten Holzkirche, die eine Vorgängerkirche sein wird. Sie soll, sobald der Chorraum der großen Kirche fertiggestellt ist, wieder zurückgebaut werden. Beeindruckend dabei ist, dass nicht nur alle Balken ohne den Einsatz von Maschinen aus den rohen Eichen- oder Lärchenstämmen gehauen werden, sondern auch feine Arbeiten wie der Falz der Eingangstür mit Dechsel und Kreuzaxt (auch „Seltentrifft“ genannt)herausgearbeitet werden (siehe Beitragsbild – Dechsel links – Kreuzaxt rechts). Auch die Streben mit Schwalbenschwanz am Westgiebel sind mit der Stoss- oder Stichaxt wunderschön bearbeitet. Beim Holz handelt es sich dabei um Roteiche.

Strebe Westgiebel Roteiche

Strebe Westgiebel Roteiche


Neben der Handwerkskunst ist es aber auch die nie erlahmende Auskunftsfreude, die Freundlichkeit und die Geduld, die Andreas, Daniel und Michael den immer neuen Fragenden entgegenbringen – Chapeau!