Archiv für den Monat Juli 2014

Donnerwurz im Campus Galli

Der Donnerwurz


Welch ein eigentümlicher Name denkt sich der unbedarfte Leser, wobei manch Kenner der Botanik sicher etwas damit anfangen konnte. Beim Donnerwurz oder auch Hauswurz oder Warzenkraut genannt, handelt es sich um eine uralte Kultur- und Heilpflanze. Ursprünglich in den Höhen der Berge beheimatet wurde dem Dachwurz durch Menschenhand ein weites Verbreitungsgebiet geschaffen. Die Menschen empfanden das Rosettengewächs als hübsch und schmückten damit ihre Gärten. Daneben ist der Donnerwurz überaus genügsam, also etwas Ideales für dem „faulen“ Gärtner.
Als Heilpflanze werden dem Donnerwurz folgende Eigenschaften zugesprochen: erfrischend, schmerzstillend, entzündungshemmend, kühlend, wundheilend, wurmtreibend, krampflösend, fiebersenkend, hautfreundlich. Eine wahre Zauberpflanze also.
Die hohe Bedeutung der Pflanze zu früheren Zeiten erkennt man daran, daß sie neben 72 anderen Nutzpflanzen Teil des „Capitulare de villis vel curtis imperii“ war. Diese sogenannte Landgüterverordnung ging auf Karl den Großen oder dessen Sohn zurück, hier streiten sich die Gelehrten. Die Verordnung galt für alle Krongüter und enthielt erstmals detailierte Anweisungen für die wirtschaftliche Organisation.
Das der Donnerwurz darin vorkommt, lag vermutlich an der ihm zugesprochenen Eigenschaft als Blitzableiter zu funktionieren. So führt einem eine kleine Pflanze zur großen Geschichte.

Die Kulturpflanze
Die Heilpflanze
Die Mittelaltergazette
Zu den Kapiteln des Capitulare

Campus Galli – Eindrücke im Juli


Überall sieht man die Fortschritte auf der Klosterbaustelle, sofern man sich denn die Mühe macht mit offenen Augen durch das weiträumige Gelände zu streifen, und nicht wie offensichtlich der Autor in der Südwestpresse vom Schreibtisch aus seinen Ansichten niederschreibt (zum Artikel).

Drechslerhütte

Drechslerhütte

An der Drechsler-Hütte z.b. ist das Weidengeflecht überall eingebracht, und nun können die Wände mit Lehm fertiggestellt werden, wie man es an der Steinmetz-Hütte bereits sehen kann.
Rückwand Steinmetz-Hütte

Rückwand Steinmetz-Hütte


Auch am Fundament der Holzkirche, das aus Bruchsteinen besteht, die mit einem Mörtel aus Sand, Kalk, Ziegelmehl und Wasser zusammengehalten werden, kann man der Entwicklung zusehen.
Fundament der Holzkirche

Fundament der Holzkirche


Für Eremit, Fäberin, Schindelmacher, Besenmacher, Steinmetz, Drechsler, Seiler, Zimmerer, Schmied, Korbflechter oder Weberin gilt, sie sind immer bereit dem Fragenden detailliert Auskunft zu erteilen. Ob einem dies dann € 9.– (ab 16.00 Uhr – € 5.–) wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Für jene, die sich noch an einfachen Dingen erfreuen können, wird der Weg zur Baustelle durch eine wunderbare Wildblumenwiese gesäumt.
Wildblumenwiese

Wildblumenwiese


Sofern man dann noch das Glück hat, das stolze Lächeln eines ca. 14-jährigen Jungen zu sehen, der sich über das Lob des Schindelmachers freut, der ihm im Rahmen eines Schulprojektes beigebracht hat, einen Löffel zu schnitzen, der wird sich sagen, wir haben schon für unsinnigere Dinge Steuergelder ausgegeben.

Weitere Artikel:

Campus Galli I
Campus Galli II

Für Genussfans


Wie bei jedem Kleinod muss man auch bei der neuen Kaffeerösterei Santosida die Augen offenhalten, um sie in der Stockacher Oberstadt zu entdecken. Etwas versteckt, neben der Metzgerei Knoll, öffnet sich dem Eintretenden die Welt des Kaffees. In anschaulicher, detaillierter Form erklärt einem der Inhaber geduldig alles Wissenswerte zum Thema Kaffee.
Voller Hingabe zaubert er einen wunderbaren Espresso, dessen Geschmacksvariationen sich einem erst nach mehrmaligem Probieren völlig erschließen. Man lernt Kaffee schmecken und die Unterschiede werden einem bewusst. Diesen Samstag, 19. Juni 2014, ist offizielle Eröffnung – ein Ort für Kaffeefans und solche, die es werden wollen.

Weitere Informationen:Santosida

Impression im Park

Schlosspark in Bodman


Seitenflügel - Schloss Bodman

Seitenflügel – Schloss Bodman

Stille, Schatten und wunderschöne Ausblicke auf Schloss und den Bodensee erwarten den Besucher im oberen Schlosspark von Bodman, der vom 1. April bis zum 31. Oktober für das Publikum zugänglich ist. An riesigen alten Bäumen vorbei führt der leicht ansteigende Weg zu einer fast vollständig mit Efeu bewachsen Kappelle, die im Innern eine Marienstatue beherbergt. Ein wunderbarer Ort zum Verweilen ist der Rosenpavillon am Ende des Parks. Durch eine kleine Schlucht mit einem Wasserlauf, Farnstauden und Schachtelhalmen führt der Weg wieder zurück zum Ausgang. Wer Ruhe genießen und dabei auf den Überlinger See blicken möchte, ist hier richtig.

Zu den Baumriesen

Mein Spätzlerezept


Nach einer kontroversen Diskussion über Leberspätzle hier nun ein Rezept zur Herstellung derselben:
Spätzle
625 g Mehl, 1/3 l lauwarmes Wasser, Salz, 3-4 Eier – Zum Abkochen: 3 l Wasser, Salz
Zum Abschmälzen: 30 g Butter oder Fett, 1 Eßl. Weckmehl

Mehl, lauwarmes Wasser, Salz und Eier werden zu einem glatten Teig angerührt und dann geschlagen, bis er Blasen wirft. Nach einer Stunde nimmt man einen Teil des Teiges auf ein nassgemachtes Brettchen (Spätzlebrett, besondere Form) und schabt mit einem breiten Messer die Spätzle in kochendes Salzwasser (Dicke und Länge mag jeder selbst bestimmen), lässt sie kochen, bis sie an die Oberfläche kommen. Man nimmt sie mit einem Schaumlöffel heraus und bringt auf einer heißen Platte oder Teller, nachdem man sie mit Fett und Weckmehl abgeschmälzt hat, sofort an den Tisch.

Leberspätzle
Mindestens 125 g gehackte Leber, 1 Prise Majoran

Leber und Majoran werden unter den geschlagenen Teig gemischt, Menge der Leber ist Geschmacksache, ggfs. muss Mehl zugegeben werden. Ansonsten Vorgehensweise wie oben beschrieben.

Tipp: Wenn Spätzle übrigbleiben sind: durch kaltes Wasser ziehen und auf einem Brett ausbreiten. Unter Umwenden dann die Spätzle braten, zwei Eier verquirlen und leicht überbacken lassen und wie einen Pfannenkuchen formen. Ebenfalls auf heißer Platte anrichten.

Wünsche guten Appetit

„Nach einem guten Essen kann man jedem vergeben – sogar seinen eigenen Verwandten.“ – Oscar Wilde

Schaufelraddampfer Hohentwiel

Besuch aus einer anderen Zeit


Man sieht ihr diese einhundertundeins Jahre nicht an, wenn man sie am frühen Morgen im Hafen von Bodman entdeckt. Die Sonnensegel erstrahlen in reinem Weiß, glänzendes Messing spiegelt sich im Sonnenlicht, edle Hölzer entdeckt man überall – das königliche Dampfschiff „Hohentwiel“ zeigt seine beeindruckende Eleganz und Schönheit. Im Jahre 1913 vom Stapel gelaufen wurde die Hohentwiel durch ihre Ästhetik, ihre eleganten Linien schnell zu einem der beliebtesten Schaufelraddampfer am Bodensee. Sie ist das Spiegelbild der meisterlichen Handwerkskunst der Epoche des Jugendstils, und erinnert mit jedem Detail an die glanzvollen Zeiten als Halbsalondampfer. Mit Glück den zweiten Weltkrieg überlebt, wurde die Hohentwiel 1962 außer Dienst gestellt, und diente dem Bregenzer Segelclub als Clubheim. Kurz vor der Abwrackung erwarb der Verein „Internationales-Bodenseeschifffahrtsmuseum e.V.“ den Dampfer, um ihn in einer sechsjährigen Restaurationsarbeit zum laut Fachpresse „am besten restaurierten Dampfschiff Europas“ zu machen. Wer heute eine der angebotenen Fahrten mit der Hohentwiel macht, taucht für einige Stunden in die Zeit der Belle Epoque ein. Dies beginnt bereits beim Boarding, wenn die Gäste von mehreren Uniformierten an einem edlen Holzstehtisch auf dem Kai empfangen werden.

Weitere Informationen:

Die Hohentwiel

Die Hohentwiel vor Bodman

Die Hohentwiel vor Bodman

Bodman III – Die Sage


Wenn man bei einem Wetterumschwung abends Richtung Ried blickt, die Nebelschwaben wabern sieht, denkt man unwillkürlich an die Sage vom Nebelmännle.

– Der Ritter Rudolf von Bodman zog in die weite Welt hinaus, ließ seine Braut zurück, der er versprach sie direkt nach seiner Rückkehr zu heiraten. Sollte er nach sieben Jahren nicht zurück sein, wäre sie für einen anderen frei. Da er am Reisen trotz der Strapazen großen Gefallen fand, vergaß irgendwann die Zeit. Der Zufall führte ihn im Orient zu einem griesgrämigen Alten, der seinen Namen kannte und ihm mitteilte: „Morgen früh wird Euere Braut in der Schlosskapelle zu Bodman einen anderen heiraten, denn die sieben Jahre sind lang vorüber.“
Der Ritter wurde blass bei dieser Nachricht und der Alte sprach: „Ich mache einen Vertrag mit Euch. Ich bin der Nebelmann vom Bodensee und Euere Nebelglocke, die jeden Abend in Bodman geläutet wird, schlägt mir immer an den Kopf. Wenn Ihr mir versprecht, sie für ewige Zeiten im Bodensee zu versenken, werde ich Euch noch vor Tagesanbruch in die Heimat schaffen.“
Ritter Rudolf stimmte zu und wusste nicht wie ihm geschah, als er erwachte lag er in Bodman. Die Glocken läuteten und riefen zur Trauung. Er eilte zum Schloss, wo ihn niemand erkannte, er aber einen Trunk von der Braut kredenzt bekam. Der Ritter ließ seinen Ring in den Becher fallen, die Braut erkannte in letzter Minute ihren tot geglaubten Ritter. Sie schloss ihn in die Arme und nahm doch ihn zu Gemahl.
Ritter Rudolf lies, wie dem Nebelmann versprochen, die Glocke im Bodensee versenken. –

Quelle:
Zur schwäbischen Sagenkunde, Ludwig Uhland, Deutsche Alterthumskunde, Verlag von Tendler, Wien 1859, Seite 35 ff